Welt aus Information?
Ist es sinnvoll, wenn der Dataismus die neue Religion der Zukunft wird? Überlegungen zu Yuval Noah Hararis Bestseller: „Homo Deus“ (deutsch 2017)
Kurze Quintessenz aus dem Artikel: Die Wirklichkeit ist einmalig und alles ist mit allem über Raum, Zeit und Wirkungen verbunden. Würde man die Wirklichkeit vollkommen mit Informationen beschreiben wollen, würde vermutlich unsere Welt nicht ausreichen, um alle Daten und Programme dafür zu speichern. Die Wirklichkeit ist einmalig in jedem Ort und Zeitpunkt, Information generalisiert durch Dimensions-Reduzierung und wird dadurch wiederholt anwendbar.
„Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“
So beginnt das vielzitierte Johannesevangelium der Bibel.
Kapitel 11 in Yuval Noah Hararis Bestseller „Homo Deus“ (2016, deutsch 2017), heißt „Die Datenreligion“ und beginnt folgendermaßen:
„Dem Dataismus zufolge besteht das Universum aus Datenströmen, und der Wert jedes Phänomens oder jedes Wesens bemisst sich nach seinem bzw. ihrem Beitrag zur Datenverarbeitung. Das mag manchem als exzentrische Außenseitermeinung erscheinen, doch in Wirklichkeit hat sie bereits einen Großteil des wissenschaftlichen Establishments erobert.“ S. 497
Kommt die menschliche Erkenntnis nun zur biblischen Erkenntnis zurück? Wohl eher kaum.
Was unterscheidet nun Wirklichkeit von Daten und Informationen, oder sind sie gewissermaßen alle das Gleiche?
Die Worte selbst, besonders im Deutschen geben erste Hinweise.
Wirklichkeit
Wirk-lichkeit ist dort, wo Wirkung stattfinden kann.
In-form-ation bietet eine Form (Gefäß oder Wort, Symbol, Zahl), in die etwas hineingegeben werden kann, real oder im übertragenen Sinne – ich komme gleich näher darauf zurück.
Da-ten ähneln dem lateinischen Wort „dare – geben“ oder dem „da“ das ein Klein-Kind oft benutzt, wenn es einen Namen noch nicht weiß und auf etwas zeigt. Daten sind Erscheinungen, die „da sind“ aber zugleich mit einer fremden Bedeutung in irgendeinem Zusammenhang angefüllt wurden. Man könnte sagen: „da“ an dieser Stelle wurde etwas dazugegeben.
Wenn Wirk-lichkeit dort ist, wo Wirkung stattfinden kann, dann ist sie für unsere Wahrnehmung immer eindeutig an einen Ort im Raum und an einem „Jetzt-Zeit-Punkt“ im Lauf der Zeit gegeben.
Wirk-lichkeit ist einmalig in Raum und Zeit, denn sie findet an einem eindeutigen Schnittpunkt von Raum und Zeit statt. Wirk-lichkeit kann nicht verschoben werden, der Raumpunkt und der Zeitpunkt sind festgelegt und eindeutig. Wenn ich gehe, bin ich zwar in jedem Augenblick an einem ein wenig verschobenen Ort, aber zu einem exakten „Jetzt-Zeit-Punkt“ bin ich an einem genau definierbaren Ort. Umgekehrt kann ich zwar starr am Ort bleiben, aber dennoch altere ich. Aber ich bin nur für mich wirk-lich im „Jetzt-Moment“, der mit mir durch die Zeit streift und Zukunft beständig in Vergangenheit verwandelt.
Wirken kann ich (und alles andere) nur im „Jetzt“ und nur dort, wo ich mich im „Jetzt-Augenblick befinde.
Wirk-lichkeit ist für uns einmalig und eindeutig. Auch wenn sich so manches räumlich (z.B. gleich gebaute Häuser nebeneinander) oder zeitlich (gleichförmiger Ablauf) ähnelt, so unterscheidet es sich doch entweder räumlich oder zeitlich.
Jede Wirkung hat einen Zeitpunkt und einen Ort. Selbst Gravitationskräfte, die vielleicht sogar von fernen Galaxien auf uns wirken (wenn auch ganz schwach), wirken im „Jetzt“ auf uns, und wirken auf mich an meinem Ort oder auf jeden anderen Gegenstand an seinem Ort.
Wirk-lichkeit kann wirkend verändern, aber sie kann nicht dupliziert werden oder an einen anderen Ort verrückt werden.
Rechner nehmen Signale von wirk-lichen Dingen auf und geben Signale an wirk-liche Geräte (vielleicht auch an Menschen) weiter. Ohne die einmalige wirkliche Welt würden keine Daten entstehen und nicht zu Informationen verarbeitet. Und die Daten könnten nicht „ausgegeben“ werden und somit auch nicht in Wirkungen (Steuerungen) in der realen Welt übersetzt werden.
Information – erster Weg einer Erklärung
In-formation wird in eine Erscheinung (Gefäß oder Wort, Symbol, Zahl) hineingelegt, wird „in“ eine „Form“ gegeben. Dabei sind das Gefäß oder das Wort, das Symbol oder die Zahl aber nicht selbst das, was sie beschreiben oder von außen formen. Die In-formation selbst ist quasi leer an Wirk-lichkeit. Daher kann sie vervielfältigt und an andere Orte und in andere Zeiten transportiert werden. Das „Gefäß“ der In-formation allerdings gehört der Wirklichkeit an (Gefäß, geschriebenes oder gesprochenes Wort, codierte Zahlen ausgedrückt durch verschiebbare Perlen bei einem Abakus oder durch fließende Elektronen in einer Leiterplatte). Das „Gefäß“ wird mit In-formation aufgeladen und kann diese In-formation mit anderen In-formationen verarbeiten und kann als Ergebnis auch wieder eine Wirkung in der Wirk-lichkeit erzielen, da das „Gefäß“ selbst ja der Wirklichkeit angehört.
Eine ganz einfach In-formation lernen Kleinkinder mit ihren Förmchen bereits im Sandkasten kennen. Das Förmchen ist die „Hohl-Form“, die die Kinder im Rucksack zu jedem beliebigen Sandkasten mitnehmen können. Die wirk-liche Form des Förmchens lässt dann im Sand Kuchen, Enten, Blumen oder was auch immer entstehen. Das Kind kann mit einer Form ganz viele Sandkuchen nebeneinander formen. Der „Hohl-Raum“ des Förmchens erlaubt diese Wiederholung, die nacheinander geschieht und das be-wirkte Produkt „Sandkuchen“ entsteht zeitlich eines nach dem anderen und hat jedes seinen etwas anderen Platz, da die Sandkuchen ja der Wirk-lichkeit angehören.
Die In-formation steckt im Leer-Raum des Förmchens, das dadurch, dass es innen leer ist, immer wieder neu mit wirk-lichem Sand befüllt werden kann und aus dem Sand durch die neu entstandene Sand-Oberfläche Sandkuchen formt. Der Leer-Raum ist der offene Möglichkeiten-Raum, die Wände des Förmchens sind die begrenzenden Oberflächen des Leer-Raumes (schon der chinesische Weise Laotse stellte fest: „Man höhlet Ton und bildet ihn zu Töpfen: In ihrem Nichts besteht der Töpfe Werk“ aus: Laotse. Tao te king, Übersetzer Richard Wilhelm, München 1978/1993, S. 51 Nr. 11)
Für die Erstellung von In-formation und deren Verarbeitung braucht es also einmal eine Begrenzung (reine Ewigkeit und reine räumliche Endlosigkeit entziehen sich der In-formation, sind nicht fassbar und vorstellbar) und innerhalb der Begrenzung ist ein noch nicht vorbelegter notwendig Leer-Raum, der gedanklich (oder bei den Förmchen materiell) gefüllt werden kann.
Bei der Datenverarbeitung durch Rechenmaschinen sind Zahlen die Gefäße für die Information.
Zahlen drücken immer Größen aus, indem sie einen stets gleichen Anfangspunkt (die Zahl 0) unausgesprochen benennen, und den Abstand bis zum Endpunkt in je verschiedenen Einheiten oder auch nur abstrakt benennen.
Um diese Zahlen-Gefäße sinnvoll füllen zu können (und nicht nur abstrakte mathematische Größen-Operationen durchzuführen, d.h. mit den Gefäßen allein ohne Inhalt zu arbeiten), müssen vorher Messungen in der Wirk-lichkeit erstellt werden.
Messungen müssen mit Einheiten geschehen, z.B. Kilometer, Minuten, Objekte, Likes, Intensität, Wahrscheinlichkeit, usw.. Mit Hilfe der Einheiten kann angegeben werden, wie oft eine Größe wie Kilometer oder Likes in einem bestimmten Rahmen wirk-lich Platz haben (das Ganze ist natürlich auch in der Fantasie und in Planungen vorstellbar, ohne wirk-lich zu sein, daher sind auch Computer-Simulationen möglich).
Das heißt, ich nehme eine bestimmte Größe an, wie 1 cm, 1 sec oder ein Like und fange bei Null an zu zählen, bzw. zu messen, wie oft die Größe in die wirk-liche (oder als wirk-lich vorgestellte) Größe hinein passt. Eine Einheit besteht aus einer Größe mit dem Anfangspunkt Null und dem Endpunkt 1. So kann ich diese Größe immer wieder „anlegen“ und messen, wie viele Größen-Einheiten der Endpunkt entfernt ist. Die gemessene Größe sagt nur über diese Größe etwas aus, zwischen Anfangs- und Endpunkt weiß man nur über die Anzahl der Unter-Anfangs-und Endpunkte der Einheit etwas. Die Zahl plus Einheit gibt keine weiteren Auskünfte.
Messungen geschehen immer in mit einem Messgerät in der Wirk-lichkeit (wenn ich meine subjektive Intensität von Schmerz oder das Gefallen in Likes ausdrücken soll, bin ich selbst das „Messgerät“, aber auch hier messe ich wirk-lich empfundene Schmerzen oder Freude. Schmerz oder Freude nehme ich einmalig und eindeutig im Hier und Jetzt wahr. Durch Empathie kann ich natürlich auch Freude und Schmerz anderer mitempfinden, ja sogar von Romanfiguren und Schauspielern in ihren Rollen. Aber es sind meine Freude und mein Schmerz, hier und jetzt, ausgelöst durch eine wirk-liche, wirkende Wahrnehmung. Auch wenn ich mich an Vergangenes erinnere oder mir Zukünftiges oder Fantasiertes vorstelle, dann sind die damit verbundenen Gefühle und mögliche Reaktionen Gefühle und Reaktionen, die ich hier und jetzt erlebe.
Geräte messen physisch (wie weit der Mensch immer und alles wie eine Maschine misst, ist noch nicht endgültig geklärt). Ein wirk-liches Ereignis wirkt auf ein Gerät ein, und das Gerät kann die Größenordnung dieser Wirkung spüren und teilt sie dann in der Wiedergabe in Einheiten ein.
Eine Uhr macht eine immer gleich lang dauernde Bewegung (Pendel, Unruh, atomare Vorgänge in der Quarz-Uhr) und diese Bewegung wird an einen Zählmechanismus weitergegeben, so z.B. an einen Zeiger, der sich bei jeder Bewegungs-Einheit ein wenig weiter bewegt, oder an eine Ziffern-kombination, die für uns Menschen die digitale Uhrzeit anzeigt.
Bei Längenmessungen wird nicht eine Bewegungs-Dauer gemessen, sondern wie oft eine Längeneinheit in eine Strecke hineinpasst. Das kann durch einen Maßstab, ein Maßband oder auch durch Laser geschehen. Aber immer sind wirk-liche Elemente beteiligt, die im Gerät eine Maßangabe auslösen.
In-formation bezieht sich immer auf einen Ausschnitt der Wirk-lichkeit. Die gesamte Wirk-lichkeit können wir niemals erfassen, denn in der Wirk-lichkeit ist alles über Raum und Zeit miteinander verbunden und wechselwirkt im kleinsten und größten Maßstab und in allem, was dazwischen liegt. So dürften uns entfernte Galaxien durch ihre Gravitation (und minimal durch ihre Lichtenergie, die zumindest in digitalen Teleskopen eine Aufzeichnung be-wirken) beeinflussen, aber umgekehrt genauso jedes Atom und Elektron in unserem Körper. Die Luftmoleküle um uns herum beeinflussen sich ständig gegenseitig, die unterschiedlichen Strahlungen, so die Infrarot-Wärmestrahlung. Niemals könnten wir bis ins kleinste Detail alles in unsere Berechnungen mit einbeziehen. Und dazu gibt es noch unglaublich viele chaotische Systeme, die grundsätzlich nicht vorhersagbar reagieren. Die Wirklichkeit entzieht sich einer vollständigen und 100 prozentigen Berechenbarkeit schon im rein physischen Bereich. Dabei ist noch gar nicht die Frage gestellt, ob es vielleicht noch Wirkungen und Einflüsse gibt, die jenseits der physikalisch messbaren Wirksamkeit stehen, z.B. noch unbekannte Kräfte („Dunkle Materie“, „Dunkle Energie“) oder spirituelle Wirkungen.
Berechnungen aus gemessenen Daten können manches zwar per Rechenmaschine genauer voraussagen, da Rechenmaschinen bestimmte Daten viel komplexer und häufiger in kurzer Zeit berechnen können als wir Menschen – aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Berechnungen immer nur Ausschnitte aus der Wirk-lichkeit darstellen und meist auch nur zu Wahrscheinlichkeiten und nicht zu hundertprozentig exakten Ergebnissen führen. Es kann immer ein minimaler (oder auch bisweilen großer) Fehler im Rechen-System auftreten, oder ein Ereignis oder eine unbekannte Kraft oder ein chaotisches System bringt in der Wirk-lichkeit alles durcheinander (z.B. unvorhergesehener Meteoriteneinschlag, Supernova-Ausbruch oder überraschend mutiertes Virus – für gläubige Menschen ist auch noch eine göttliche Macht zu berücksichtigen, die einfach zu groß, spirituell alles umfassend und unfassbar für unsere Vorstellungen ist, als dass wir sie in Berechnungen mit einbeziehen könnten).
Rechner verwenden Daten, um daraus Handlungen voraus zu berechnen, z.B. damit Roboter im Gleichgewicht laufen können oder Autos autonom fahren können, oder einem Frager sinnvolle Antworten gegeben werden. Riesenrechner dienen auch dazu Zukünftiges voraus zu berechnen oder Modelle zur Entwicklung des Klimas oder des Weltalls zu entwerfen. Aber immer – gleich ob es um Steuerung oder um die Vermittlung von Ergebnissen geht: die Ausgabe der Ergebnisse erfolgt in der wirk-lichen Welt, denn anders können wir sie nicht verwerten. So werden Anzeigen auf physisch realen Bildschirmen ausgegeben, Steuerungen steuern physische wirk-liche Objekte wie Roboter oder autonome Autos. Ein Rechner, der nur Berechnungen anstellt, ohne dass er uns von den Ergebnissen etwas mitteilen würde, wäre nutzlos für uns. Allerdings müssen wir nicht alle Rechenschritte erkennen können, aber wir wollen ein nutzbares Endergebnis in der Wirk-lichkeit erkennen oder spüren.
Auch wir Menschen verarbeiten In-formationen, es sind unter anderem Werte, die uns unsere Nerven liefern (Augen, Ohren, Tastsinn), aber auch komplexe Sprachmitteilungen (die aus wirk-lichen Tönen bestehen) und vermutlich vieles mehr. Wir können die In-formationen in unserem Gehirn (und vielleicht auch anderen Stellen, wie unserem Darm, oder vielleicht auch mit Hilfe eines nicht-materiellen Geistes) verarbeiten, also In-formationen in unserem Interesse und mit unseren Gefühlen und Wollen verbinden. Dies kann sich in äußerlich wahrnehmbaren, in der Wirk-lichkeit stattfindenden Handlungen und Äußerungen zeigen (was beim Rechner der Ausgabe von Ergebnissen entspricht), oder es kann nur in unserem Inneren ablaufen, für andere unerkennbar.
Bei Rechnern, die KI beherrschen sollen, ist es inzwischen ebenfalls so, dass Berechnungen und Verbindungen ablaufen, die die Entwickler selbst nicht mehr genau kennen. So wird der Rechner zu einem Instrument, das die Wirk-lichkeit mit seinen Ergebnissen beeinflusst, aber wir verstehen nicht mehr genau, wie der zu diesen Ergebnissen kommt. Er ist verändert die Wirk-lichkeit also wie ein Mensch, der seine Motive nicht ganz offen legt, der meist so reagiert und handelt, wie wir ihn kennen, aber möglicherweise eines Tages etwas ganz Unerwartetes tut. Ist das eine Gefahr für uns, oder haben wir genug Korrektur-Möglichkeiten, um dann wieder alles in Griff zu bekommen? Und wie abhängig werden wir von den Steuerungs-Vorgängen und den komplexen Analysen der Rechner in Zukunft werden? Könnten wir noch ohne sie überleben (wenn z.B. die Stromproduktion in einem größeren Kriegsgebiet länger ausfallen würde, oder ein schwerer, kaum aufzufindender Fehler im Rechnersystem auftreten würde)?
Daten – erster Weg einer Erklärung
Die Daten sind in unserem Bild das, was in das wirk-liche Gefäß der In-formation hineingegeben wird. Es sind abstrakte Größen, die für sich alleine keine wirkende Verbindung mit der Wirk-lichkeit haben.
Ich gehe noch einmal zurück zu den Sandkuchen, die das Kind mit seinem Förmchen baut. Das Förmchen ist die In-formation. Es wurde selbst durch die positive Form eines Kuchens (z.B. aus Gips) geformt. Genauer gesagt: die Oberfläche des positiven Gipskuchens hat die äußere Oberfläche des negativ Förmchens geformt. Die Oberfläche vom Gipskuchen und die Oberfläche des Plastikförmchens liegen beim Herstellungsprozess aneinander und der harte (positiv gewölbte Gips) formt das noch weiche Kunststoffmaterial (negativ gewölbt). Der aushärtende Kunststoff, der vom Gipskuchen gelöst wird, zeigt nun einen leeren Hohlraum in Form des Gipskuchens (er enthält natürlich Luft, aber das soll hier nicht berücksichtigt werden, die Luft ist ja auch sehr beweglich und kann verdrängt werden).
Wo steckt nun die In-formation im Förmchen? Die In-formation, mit der der Kunststoff „in-formiert“, also „in Form“ gebracht wurde, steckt in der inneren Oberfläche des Förmchens. Die einzelnen Moleküle des Förmchens im Inneren des Kunststoffs und auch die äußere Oberfläche tragen die In-formation des inzwischen abgelösten Gipskuchens nicht. Es ist alleine die Oberfläche, die diese In-formation vermittelt und den eingefüllten Sand als Kuchen ausformen lässt. Aber die Festigkeit der Kunststoffform ist Teil der 3-dimensionalen Wirk-lichkeit, die Moleküle halten wirk-lich und wirksam zusammen, stabilisieren die Form damit. Aber die In-formation über die Kuchenform, die steckt in der Oberfläche und nicht in der Tiefe des Förmchens.
Ähnliches geschieht bei der Berechnung. Berechnungen sind nur mit Zahlen möglich. Eine Zahl aber ist, wie oben erwähnt immer eine Aussage über Beginn (Null) und Ende (Größe) einer Ausdehnung, einer wie auch immer festgelegten Einheit (daher soll man im Internet alles mögliche auch durch die Anzahl von Sternchen bewerten, das lässt sich gut zählen und rechnerisch verarbeiten – Worte wären viel komplizierter zu verrechnen, sie müssten erst nach einem sinnvoll entwickelten System in Rechengrößen übersetzt werden).
So wie die Oberfläche des Förmchens eine Dimension weniger hat, als das wirk-liche und fest stabile Förmchen, so ist eine Zahl gewissermaßen eine niedrigere Dimension als eine wirk-liche Ausdehnung, die eine voll ausgefüllte Größen-Strecke bedeutet und in der alles Mögliche noch sein kann, außer der reinen Größe. Nehmen wir eine einfache Linie. Die Größe sagt zusammen mit Einheiten etwas aus über die Gesamtlänge, wenn man sie in gleichmäßige Unterlängen aufteilt, die dann gezählt und als Zahl ausgegeben werden. Ich weiß also nur: es gibt einen Null-Anfangspunkt und einen Endpunkt und dazwischen passt eine immer gleiche Größe so und so viel mal hinein. In einen Meter vom Anfangspunkt Null bis zum Endpunkt 1 Meter passen 100 cm, in 1,5 Meter eben 150 cm. Aber ich weiß sonst gar nichts über die 100 oder 150 cm. Was ist z.B. am Punkt nach 45,38715 cm? Gibt es dort auch einen Punkt, und was bedeutet er (ist er z.B. rot oder grün gefärbt, oder mündet dort ein Weg in einen Abgrund, wechselt dort Land zu Wasser, usw.)?
Die Daten alleine, die in der In-formation ihres Gefäßes beraubt sind – also z.B. pure Zahlen ohne Einheiten – können gar nichts über unsere Wirk-lichkeit aussagen. Sie sind einfach eine abgeschlossene Welt für sich. Erst indem die Zahlen aus wirk-lichen Messungen stammen und eine Einheit dazu bekommen, die der Rechner (und der Mensch) erkennt, kann es zu Berechnungen kommen, deren Ergebnisse wieder in die Wirk-lichkeit vermittelt werden und die den Verhältnissen in der Wirk-lichkeit in etwa entsprechen (auch die Oberfläche des Förmchens aus dem obigen Beispiel ist für sich einfach Oberfläche, erst im Kontakt mit dem Sand, den die Oberfläche formen kann, wird sie für den Sand zur wirk-lichen In-formation).
Zahlen und Daten haben den Vorteil (und Nachteil, da sie dadurch nicht wirk-lich sind), dass sie zeit- und raumlos sind. Als reine Daten sind sie an keinen Ort und keine Zeit gebunden. Ich kann 2+1=3 überall und jederzeit berechnen oder berechnen lassen (nur das Recheninstrument – sei es mein Kopf oder sei es ein Computer-Rechner, sind an die Wirk-lichkeit gebunden).
Doch wir verbinden Zahlen und Daten mit Einheiten, die uns erklären, mit welcher Wirk-lichkeit die Größen verbunden werden sollen, welchen Größenverhältnissen in der Wirk-lichkeit sie entsprechen sollen. Und da wir Gesetzmäßigkeiten in der Wirk-lichkeit kennen, können wir dem Rechner vorschreiben, wie er die Zahlen aus verschiedenen Einheiten für uns sinnvoll verbinden und in Rechnungen sinnvoll verrechnen soll. Sinnvoll heißt hier, dass das Ergebnis wieder auf die Wirk-lichkeit übertragen werden kann und dort seine Größen-Entsprechung stimmt (beim Sandkuchen wäre das, dass der Sandkuchen der Form eines wirklichen Kuchens entspricht – um diese Entsprechung zu erkennen, muss der Betrachter des Sandkuchens allerdings Kuchenformen kennen und diese hier wieder erkennen – ob dies geschieht, „interessiert“ die Oberfläche des Förmchens nicht – sie wirkt einfach durch die Kraft der wirklichen Moleküle in dem Förmchen auf den Sand ein).
Ein Rechner mit KI beobachtet selbsttätig mit Sensoren seine wirk-liche Umwelt (misst Ereignisse in der Wirk-lichkeit) und kann aus sich wiederholenden Ereignissen – oder aus Wahrscheinlichkeiten der Wiederholung – selbst eigene Rechenregeln erstellen und die Ausgabe von Daten mit regulieren.
Aber ein Rechner wird nie alle Ereignisse in unserer Welt mit in seine Berechnungen einbeziehen können. Auch wir können dies mit unserem Kopf nicht. Doch die Fähigkeiten sind keineswegs so gleichzusetzen, dass man sagen könnte, Rechner heute und noch mehr in Zukunft können so viel mehr Daten verarbeiten als unser menschliches Gehirn. Wenn es um messbare und in Zahlen ausdrückbare Ereignisse und Verhältnisse geht, wird uns die Rechenmaschine meist überlegen sein. Aber im Lebendigen und besonders in unserem Geist spielen so viele Dinge eine Rolle, die schwer rechnerisch auszudrücken sind. Es zeigt sich zwar, dass vieles einen Ausdruck findet, der messbar ist und mit großer Wahrscheinlichkeit vorhersagbar (z.B. können Rechner inzwischen an der menschlichen Stimme zielsicherer Depressionen erkennen als menschliche Fachärzte) – aber die Vorhersagen sind eben nur mit Wahrscheinlichkeit richtig. Wer aus diesem sehr wahrscheinlichen Muster herausfällt, wird sich in einer überwiegend rechnergesteuerten Welt nicht mehr zurecht finden.
Nicht alles in unserem Dasein ist ein häufig wiederkehrendes Ereignis, vieles ist ganz selten oder sogar einmalig, ist aber zugleich verbunden mit vielen äußeren und inneren Faktoren. So kann es sein, dass sich 99,9 % der Bevölkerung in einer bestimmten Frage den Berechnungen entsprechend verhalten, aber 0,1 % hat Erfahrungen und Erlebnisse, die die anderen nicht haben – und sie passen einfach nicht in das Berechnungsschema. Das wird so bleiben, egal, wie gigantisch die Rechner werden. Rechner der Zukunft könnten vielleicht eine Welt steuern, in der sich ganz viele Menschen erst einmal wohl fühlen. Da aber fast jeder irgendeine – ihm wichtige – „seltsame“, sonst unbekannte Eigenart hat, dürften nach und nach sich immer mehr Menschen mit dem System als „inkompatibel“, als nicht verstanden fühlen.
Große Erfolge in der Masse mögen beeindruckend wirken – doch wenn nach und nach mehr Menschen aus den verschiedensten Gründen nicht mehr zu dieser Masse gehören – was dann?
Menschen und Rechner sind an die Gegenwart gebunden und können im Vergleich zu astronomischen Zeiträumen, oder auch zu Zeiträumen der Menschheitsgeschichte, nur ganz kleine zeitliche Bereiche überblicken oder einzelne, isolierte Gesetzmäßigkeiten feststellen, die dann mit anderen isolierten Gesetzmäßigkeiten verbunden werden. So kann ein gewisser Überblick verschafft werden, aber man kann nie sicher sein, ob in diesem Überblick nicht auch Fehler stecken, oder Faktoren mitwirken, die nicht erkannt wurden. Einfacher zu überblicken und vorherzusagen sind physikalische Ereignisse, die nur von wenigen Faktoren beeinflusst werden (z.B. die Flugbahn von Raumsonden, die zu Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun und darüber hinaus geflogen sind, oder die Apollo-Mondmissionen, sowie die Statik eines Hauses, einer Brücke usw.). Bei menschlichen und gesellschaftlichen Ereignissen ist das schon viel schwieriger und meist gibt es nur Wahrscheinlichkeits-Voraussagen (z.B. Wahlumfragen oder Kaufverhalten besonders bei Aktien interessant).
Ein göttlicher, überzeitlicher Geist könnte alles überblicken, fern und nah, lange vergangen und weit in der Zukunft – und das ohne Rechenmodelle). Er könnte eine sinnvolle und funktionierende Welt erschaffen. Viele empfinden unsere Welt allerdings nicht so ganz sinnvoll und gut funktionierend – aber ob unser enger Blick wirklich erkennen kann, was letztendlich und aufs Ganze gesehen sinnvoll ist? Ich bezweifle jedenfalls, dass wir ohne göttliche Weisheit (die uns meiner Meinung nach auch Rechner mit ihren Algorithmen niemals schenken können) grundlegende Veränderungen, die tief in die Natur eingreifen oder die die Gesellschaft von Grund auf verändern sollen, dass wir diese Veränderungen ohne dramatische Fehler bewerkstelligen könnten. Ich vermute, die negativen Erfahrungen – falls wir es überleben – wären so drastisch, dass bald viele eine Umkehr in frühere Zustände wünschen würden.
Noch einmal: Daten und Informationen als „Hohlräume“
Daten und Informationen sind begrenzte Hohlräume – wie oben erwähnt das Sandkasten-Förmchen. Sie brauchen eine feste Umgebung aus der Wirk-lichkeit, eine „hardware-„, um eingegeben, verarbeitet und wieder ausgegeben zu werden.
Der Hohlraum einer Zahl besteht zwischen der Zahl „Null“ und der Zahl, die die Größe von irgendetwas gemessenem oder angenommenen angibt, also z.B. 5 oder 5,6748 oder – 7,8 usw..
Alle Zahlen enthalten unausgesprochen die „Null“ als Anfang und die genannte Zahl benennt das Ende. Dazwischen kann alles Mögliche liegen und geschehen, die Zahl alleine sagt das nicht aus – sie ist quasi innen leer. Allerdings kann man mit mehr Zahlenangaben (Messungen) auch das Innere der größeren Zahl näher beschreiben. Aber niemals kann durch Zahlen das Innere vollständig gefüllt werden, da es zwar immer kleinere leere Zwischenräume gibt, diese Zwischenräume aber in der Zahlenwelt nie geschlossen werden können (zwischen 3 und 4 liegen z.B. 3,2 und 3,3 und zwischen diesen beiden 3,25 und 3,26 usw. – die Stellen hinter dem Komma können unendlich vermehrt werden). Bei unerwarteten Messergebnissen kann ich natürlich auf Ereignisse in der Wirklichkeit Rückschlüsse ziehen. Kommt ein Zug verspätet an (erkenntlich an der Uhrzeit-Zahl), so vermute ich, dass er entweder zu langsam gefahren ist oder aufgehalten wurde. Aber ich weiß nicht, was der Fall war, und wo es war. Und es könnten vielleicht noch unberücksichtigte Ereignisse die Ursache sein: z.B. könnte der Zug eine andere Strecke gefahren sein, von deren Existenz ich gar nichts wusste. Der Zug kann aber auch pünktlich ankommen und trotzdem gab es einen ungeplanten Aufenthalt, aber er ist danach schneller gefahren, so dass er wieder pünktlich wurde – ich habe es aber nicht mitbekommen.
Aber nicht nur Zahlen sind „Hohlräume“, die für Variationen offen sind. Auch Wörter sind solche „Hohlräume“. So wissen wir Menschen ungefähr, was das Wort „Apfel“ bedeutet – aber vermutlich stellt sich dabei fast jeder Mensch einen ein klein wenig anderen Apfel vor, je nach seiner „Apfel-Erfahrung“. Der eine denkt an einen grünen der andere an einen roten Apfel, der einen an einen großen, der andere an einen kleinen, der eine an einen sauren und der andere an einen süßen. Wenn ich also dem Rechner die Information gebe „5 Äpfel“ kann er zwar damit rechnen, z.B. den Preis ausrechnen, falls der Preis für einen Apfel bekannt ist – aber er kann die Äpfel nicht sehen, schmecken, riechen.
Allerdings kann ich dem Rechner auch Informationen über Gewicht, Aussehen, Geschmack und Geruch usw. eingeben bzw. durch Sensoren erkennen lassen – auch wenn die Daten nicht selbst riechen, wiegen, sehen oder schmecken können, so kann der Rechner mit diesen Angaben vielleicht die Sorte bestimmen und einen entsprechenden Preis dafür berechnen.
Aber der Rechner „weiß“ damit längst nicht alles über den Apfel, ja sogar nur ein winzig winzig kleinen Bruchteil. Der Apfel besteht aus vielen Zellen mit Unmengen von Molekülen, die teils sehr unterschiedlich sind, und diese Moleküle bestehen aus Atomen und Atom-Teilchen. Nur mit ganz umständlichen Analysen könnten die Atome mengenmäßig in einem einzelnen Apfel genau bestimmt werden. Dazu müsste aber der Apfel zerlegt werden und man wüsste nicht, wo jedes einzelne Molekül sich befunden hätte (und doch gehört auch dies zur Wirklichkeit des Apfels). In den Molekülen bewegen sich Atome und Teilchen, diese Bewegungen in ihrer Gesamtheit zu erfassen, ist unmöglich, aber Teil der Wirklichkeit des Apfels. Aber das ist noch lange nicht alles: die Atome haben eine ganz lange Geschichte hinter sich, die sie zu dem werden ließen, was sie jetzt sind, und die sie an den Ort brachten, wo sie sich jetzt im Apfel befinden. Auch das ist ein Teil der Wirklichkeit dieses Apfels. Manche Atome entstanden in kleinen Novae, andere brauchten Supernovae oder Hypernovae zum Entstehen. Das muss vor sehr langer Zeit, vor der Entstehung unseres Sonnensystems geschehen sein. Die Atome müssen dann in Meteoriten oder Kometen auf unsere Erde gekommen sein, sind der Humuserde um den Apfelbaum, von dem dieser Apfel kam, gewesen und wurden über die Wurzeln aufgenommen und der Baum ließ daraus diesen Apfel wachsen. Aber auch die Gene des Apfels haben eine lange Entwicklungsgeschichte der Evolution: von den Blaualgen im Urmeer über Pflanzen, die das Land eroberten und die Ausbildung von Apfelbäumen bis hin zu Züchtungen durch die Bauern und inzwischen durch die Agrarindustrie. Aber auch diese lange Geschichte gehört zu dem Apfel. Und dies ist noch nicht alles. Da gibt es noch den Bauern, der den Apfelbaum dort gepflanzt hat und ihn gehegt und gepflegt hat und schließlich seine Äpfel geerntet und zum Obsthändler gebracht hat. Dort hat ihn jemand gekauft und wird ihn wahrscheinlich später essen und verdauen und mit der aus dem Apfel gewonnen Energie sich eine Weile bewegen, atmen, denken und fühlen können. Auch dies eine Teil der Wirklichkeit des Apfels.
Aber auch um den Apfel herum gibt es viel Wirklichkeit, die eine Rolle spielt: Obstbaumhändler, Grundstückverkäufer, Ratgeber für die Zucht moderner Äpfel, Börsenpreise, Häuser für den Bauern und das Lager, LKWs, Computer, Geld, Kunden, Werbung, Schulung, Handelsrecht und Politik, Lehrbücher, Tankstellen oder Aufladestellen für Akkus für die LKWs., Straßen, Gabelstapler, Verpackungsmaterial-Hersteller, Telefone und Internet, Kindergarten für die Kinder des Bauern und die Angestellten, und vieles vieles mehr. Vielleicht hängt die ganze Welt irgendwie mit dem Apfel und seiner Wirklichkeit zusammen.
Im Rechner wird die Komplexität dieser Wirklichkeit vermutlich nie abgebildet werden können. Daher ist die Information „ein Jonathan-Apfel liegt hier auf dem Tisch und wiegt… und ist rot… und kostet, usw.“ noch immer ein riesiger Hohlraum, in dem so vieles so oder anderes sein könnte. Ich glaube nicht, dass Rechner jemals die gesamte Wirklichkeit erfassen könnten.
Auch bei einem Kindergarten-Förmchen wissen wir wohl selten genau, welche Sandkuchen ein Kind damit gemacht hat und noch machen wird und aus welchen einmaligen, wirklichen Sandkörnern diese bestehen werden.
Daten entstehen aus einzelnen Messungen oder sind in eingegebenen Informationen schon enthalten. Sie werden nach logischen Verfahren mit anderen Daten verrechnet und erweitern die Information und machen sie – falls alles korrekt ist – genauer und umfangreicher. Aber der Hohlraum bleibt, Informationen können immer nur Ausschnitte aus der Wirklichkeit beschreiben, nie die ganze Fülle der Wirklichkeit.
Auch unser Geist kann nicht die gesamte Wirklichkeit erfassen und begreifen. Es sind immer nur winzige Bereiche, die uns zugänglich sind. Mag sein, dass dies der Grund ist, warum uns die Rechenleistung und die Fähigkeiten von Rechnern so beeindrucken und uns zu dem vermutlichen Irrtum verführen, die Rechner könnten die Wirklichkeit bereits oder bald besser verstehen als wir. Die Frage ist aber, ob Rechner jemals so viele unterschiedlichste Daten berücksichtigen und einordnen können, wie unser Geist. Und hinzu kommt noch, dass wir Zeit (meiner Meinung nach) anders begreifen als ein Daten verarbeitender Rechner. Dazu später mehr.
Der Vorteil von Daten und Informationen ist durch ihre Beschränkung gegebene Übertragbarkeit (keine Einmaligkeit wie bei der Wirklichkeit). Es werden Ausschnitte der Wirklichkeit betrachtet, die sich in gleicher Weise an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten wiederholen können. Somit können diese Informationen an einem Ort gemessen werden und dann auf einen anderen Ort mit ähnlicher diesbezüglicher Situation übertragen werden. Dazu braucht man die Erkenntnis von Naturgesetzen und sonstigen Gesetzmäßigkeiten (wobei diese immer nur Annahmen sind, die zwar oft bestätigt wurden, aber nie hundertprozentig sicher sein können – wie überrascht und erst mal ungläubig war man, als Einstein die Relativitätstheorie vorstellte, und noch mehr gilt dies für die Ergebnisse der Quantenphysik). Wir wissen aber nie genau, wo in der Wirklichkeit Gesetzmäßigkeiten plötzlich aus noch unbekanntem Grund nicht mehr gelten. Auch wenn es selten vorkommt, es ist nie auszuschließen in der Wirklichkeit.
Allerdings bedeutet der „Hohlraum“ der Informationen auch eine Chance, ganz neue Füllungen für diese Hohlräume zu entdecken. Der Rechner ist ja bezüglich dieser Hohlräume unvoreingenommen und mag Konzepte entwickeln, auf die wir nie gekommen wären. Aber wir müssten dabei beachten, dass wir möglicherweise auch auf ein Konzept nicht gekommen sind, weil uns unser Unterbewusstes davon abhielt, weil irgend etwas daran schädlich ist, auch wenn es erst sehr gut auszusehen scheint. Also genaue Prüfung und ausführliche Tests in der Wirklichkeit wären sinnvoll. Denn jede Wirkung in der Realität bringt sich – wenn vielleicht auch unbemerkt – in die Gesamt-Wirklichkeit ein, da die Wirklichkeit kein isoliertes, sondern ein zwar einmaliges aber zusammenhängendes System ist.
In der Information ist jedenfalls die Einmaligkeit der umfassenden Wirklichkeit (für einen bestimmten ausgewählten und eingeschränkt beschriebenen Zustand) aufgehoben und Übertragbarkeit räumlich oder zeitlich wird möglich. Damit sind zutreffende Vorhersagen möglich geworden – allerdings nur, wenn kein Fehler bei der Berechnung entsteht und kein wichtiger Faktor vergessen wurde. Je komplexere Situationen die Information beschreibt, desto höher wird das Risiko für Fehlerquellen. Das Leben ist sehr hochkomplex – es sollte nicht leichtfertig allein aufgrund von eingeschränkten Informationen grundlegend verändert und umgemodelt werden.
Rechner können viel erledigen, besonders bei der Fertigung (da ist die Automatisierung nicht ganz so problematisch), aber auch immer mehr im bürokratischen Bereich. Hier kann es zu einer Beschleunigung kommen, aber die Gefahr, dass die dabei notwendig standardisierte Betrachtung von Wirklichkeits-Ausschnitten ohne menschliche Kontrolle zu unlebendiger Steifigkeit in den Entscheidungen führt, ist zumindest gegeben. Wer nicht in das 0815 Schema passt, kann sich sehr verloren fühlen. Und die lebendige Vielfalt unseres Daseins könnte vermindert werden. Andererseits können zuverlässige Bausteine des Daseins auch höhere Komplexität ermöglichen, die bei zu vielen Unzuverlässigkeit zusammen brechen würde. Doch vermute ich, dass uns die Natur in Sachen Komplexität bei DNA, Verwendung von Daten durch Sinnesreize und Denkfähigkeit, Verarbeitung von Informationen, sowie in der Intuition schon ziemlich gut ausgestattet hat, damit wir ein gutes Gleichgewicht zwischen „standardisierter Wahrnehmung“ und freier Kreativität gefunden haben. Wie lange werden wir brauchen, um dieses Gleichgewicht in der digitalen Welt zu erreichen, wo gibt es Gefahren, die wir noch gar nicht wahrnehmen, weil sie sich nach längerer Zeit zeigen? Ich finde es ein wenig fahrlässig, unsere natürlichen Anlagen als mangelhaft zu betrachten und zu glauben, wir könnten sie auf die Schnelle mit Rechenleistung aus Computern korrigieren. Wir werden sehen, wie sich alles entwickelt – genau weiß das derzeit wohl niemand.
Ich jedenfalls bin der Meinung, wir sollten die Wirklichkeit nicht unterschätzen, und wir sollten die Ergebnisse von Rechnern nicht zu schnell überschätzen.
Noch einmal Daten und Informationen – neu zusammengefasst
Daten sind immer niedriger-dimensionaler (das heißt niedrig-dimensionaler als die Wirklichkeit) Größenbeschreibungen. In der digitalen Welt werden dafür Zahlen verwendet, sie sind ein dimensionale Größen. Zahlen sind als Linie einer bestimmten Länge darstellbar. Diese Länge bezeichnet den Weg von „Null=Anfang“ bis „Ziffer=Ende“. Was dazwischen liegt macht die Länge aus. Wie dieses „Dazwischen“ aussieht, darüber sagt eine einzelne Zahl nichts. Gibt es auf der Länge Veränderungen (räumlich Richtungsänderungen innerhalb wie Kurven, oder zeitlich Zwischenaufenthalte wie am Bahnhof) kann dies durch weitere Zahlen beschrieben und in eine Formel eingefügt werden.
Damit Daten und deren Verrechnung zu einer Information über die Wirklichkeit oder über eine Vorstellung (Fantasie, Plan) von Wirklichkeit werden, müssen die zu verrechnenden Zahlen und deren Ergebnis mit Einheiten versehen werden.
Die niedrigere Dimension der Daten bzw. der Daten die einer Information zugrunde liegen, bewirkt, dass Informationen weder orts- noch zeitgebunden sind und auch nicht einmalig. Daten und Informationen sind von der Wirklichkeit losgelöst. Daher können sie auch nicht direkt auf die Wirklichkeit wirken. Sie brauchen eine Ausgabegerät, das etwas in Bewegung setzt und Veränderungen in der Wirklichkeit bewirken kann.
Daten als niedrigere Dimension sind:
verschiebbar in Zeit und Raum
vervielfältigbar durch Kopieren
erkennbar durch Einheiten
verbindbar durch Regeln, beim Rechner durch Formeln.
Die Verbindung unseres fantasievollen und denkenden Geistes zur Wirklichkeit sind Nervenreize und Botenstoffe, die aufgrund einer Information freigesetzt werden und Bewegung auslösen können. Ob die Verarbeitung von Information durch unseren Geist auch alleine durch Elektronen und Chemie stattfindet, oder ob es auch völlig substanzfreie geistige Tätigkeiten gibt, ist noch nicht geklärt, wird vielleicht nie eindeutig geklärt werden können, denn wie soll man substanzlose Aktivitäten nachweisen? Solche Aktivitäten des Geistes könnten vielleicht mit Gefühlen und mit Spiritualität verknüpft sein.
Dem Rechner werden Messdaten von Messgeräten durch Stromfluss „eingegeben“ und der Stromfluss in der Hardware des Rechners wird zur Angabe von Zahlengrößen, die dann auch miteinander verrechnet werden. Die Ergebnisausgabe geschieht durch den Strom, der Wirkungen in einem Ausgabegerät hervorruft. Der Rechner dürfte kaum substanzlose, die Rechnungen beeinflussende Aktivitäten haben.
Für Berechnungen werden Größen in Zahlen und diese in Codes umgewandelt, die mithilfe von wirklichem Strom und Hardware verrechnet werden (früher, beim Abakus waren es nicht Elektronen, sondern Perlen, noch früher wahrscheinlich unsere Finger). Dabei ist wichtig, dass das Verständnis der Zahlen gleich bleibt, also dass fest steht, was eine Einheit ist, und wie die durch Stromfluss, durch Perlen oder Finger die Zahlen 1, 2, 3 usw. aufeinander folgen. Würde ich beim Zählen z.B. die Finger nehmen und mit dem Daumen der rechten Hand anfangen, dann den Ringfinger der linken Hand nehmen und danach den Mittelfinger der rechten Hand, so wäre das Ergebnis nicht so leicht zu erkennen, als wenn ich 3 nebeneinander liegende Finger nehme. Die Regeln des Zahlenbildens und des Verrechnens müssen also genau und unverrückbar festgelegt sein.
Die Wirklichkeit ist einmalig und alles hat seinen Ort und seine Zeit.
Daten und Informationen können kopiert, an andere Stellen verlagert und über den „Jetzt-Zeit-Punkt“ eines bestimmten registrierten Zeitpunkts hinaus wieder für Verrechnungen und Simulationen verwendet werden. In der Wirklichkeit gibt es keine exakt identische Situation zweimal oder öfter. Sogar der materielle Urmeter, mit dem das Maß „Meter“ genau festgelegt wurde, dürfte stets ein wenig minimal schwanken, alleine schon deswegen, weil Atome oberhalb der Temperatur des absoluten Nullpunktes immer ein wenig schwingen und somit die Länge des Ur-Meters in der Wirklichkeit minimalst sich verändert.
Daten und Informationen dagegen stehen fest: 6,3678 ist eben 6,3678, daran wird nicht gerüttelt. Erst durch Verrechnungen nach ebenso strikt festgelegten Regeln kann die Zahlengröße vermindert oder vergrößert werden.
In unserer Welt ist alles, was ist eine Mischung aus Statik und Festigkeit und aus Beweglichkeit, die Veränderungen ermöglicht. Bei der abstrakten Daten-Verrechnung bleiben die Zahlen und Formeln gleich, aber die Daten und Formeln können in Raum und Zeit verlegt werden und bleiben dabei gleich. Unsere Wirklichkeit fließt jedoch mit der Zeit, der „Jetzt-Zeit-Punkt“ gleitet in die Zukunft und macht über die Gegenwart daraus Vergangenheit. Somit bleibt Wirklichkeit niemals im gleichen Zustand, auch wenn die Veränderungen minimal sind. Die Rechnung 2+5=7 gilt jederzeit und an jedem Ort, wo das Dezimalsystem gilt.
Daten im digitalen Sinn ist alles, was in messbaren Zahlengrößen oder in Wahrscheinlichkeiten (ebenfalls mit Zahlengrößen) ausgedrückt werden kann. Um aber nicht nur einen Zahlen-Salat zu haben oder nur abstrakte Mathematik zu betreiben, müssen die gemessenen und auch die ausgegebenen Zahlengrößen mit Einheiten versehen werden.
Einheiten
Durch die Verbindung mit Einheiten (wie Meter, Minuten, Äpfel, Likes, Fälle einer bestimmten Handlung usw.) werden die Zahlen der Daten „unfrei“, sie dürfen dann nur auf bestimmte Weise, also nach festgelegten Formeln berechnet werden. Diese Formeln entsprechen den wiederholten Beobachtungen von Menschen erstellt, oder inzwischen auch von KI-Rechnern, die Häufigkeiten und Wahrscheinlichkeiten registrieren und zählen. Sie erkennen diese Ereignisse anhand der Daten, die ihnen Messgeräte liefern. Festgelegt ist dabei bereits, um welche Daten es sich dabei handelt (Zeit, Raum, Licht, Ton, oder durch Licht, Ton oder andere physikalische Eigenschaften erkennbare Gegenstände wie Äpfel und Birnen – die der Rechner durch wiederholte Registrierungen auseinander zu halten „gelernt“ hat und mit einer Kenn-Größe verbindet – oder sogar Veränderungen wie ein Mund, der zu lächeln beginnt).
Ich glaube nicht, dass jemals Rechner von sich aus die Grundinstrumente entwickeln können, um ihre Umwelt zu registrieren, nach Größenordnungen zu beschreiben und nach Wahrscheinlichkeiten die verschiedensten Gegenstände und Ereignisse einander richtig zuzuordnen. Ich denke, es muss immer eine „Initialzündung“ durch den Menschen – oder durch einen von Menschen programmierten zweiten Rechner – geschehen. Erst wenn die Rechenregeln und die Grund-Einheiten für Raum und Zeit festgelegt sind, kann der Rechner eigenständig durch Häufigkeits-Beobachtungen (die dann zählbar sind und denen zahlenmäßige Wahrscheinlichkeiten zugeordnet werden können) und zeitliche Zusammenhänge eigene, auf die Grundregeln aufgebaute neue Regeln des Verrechnens entwickeln – diese neuen Regeln dürfen aber nicht den vorgegebenen Grundregeln widersprechen.
Der Rechner ändert die Einheiten nicht, er fügt höchstens neue, komplexere, aus den Grund-Einheiten zusammengefügte Einheiten hinzu (so die Geschwindigkeit aus Weg und Zeit, oder die Einheiten „Äpfel und Birnen“ aus der vergleichenden Beobachtung von diesen zwei Objekten. Bei Beobachtung (Messung) gleicher Zustände oder Veränderungen kann der Rechner auch für Zustände oder Veränderungen Rechenregeln aufstellen.
Damit das Rechenergebnis für uns Menschen ablesbar und verstehbar ist, muss es in der Wirklichkeit angezeigt werden, sei es durch Lochstreifen, sei es durch Worte, Töne, Monitor oder anderes. Erst wenn eine Information in der Wirklichkeit angezeigt wird, können wir sie sehen oder hören oder fühlen und verstehen. Wenn unser Gehirn aber die Verschlüsselungen – also quasi die Einheiten für bestimmte Gegenstände oder Veränderungen mit Worten oder Bildern verknüpfen kann, kann der Rechner diese ebenfalls als Wort oder Bild wiedergeben und wir erkennen es. So hat die KI gelernt, unsere Anweisung „mache ein Video von einem jungen Hund, der durch eine bunte Wiese hüpft“ zu verstehen, die „Einheiten“ „Video, jung, Hund, bunt, Wiese, hüpfen“ hat er verstehen und rechnerisch zuordnen gelernt und kann somit den Befehl ausführen. Der Rechner hat auch gelernt, die Bilder eines Videos auf einem Monitor auszugeben. Und wir Menschen können über die Augen die Informationen der Lichtimpulse den Einheiten Wiese, Hund, springen zuordnen und sehen somit das angeforderte bewegte Bild.
Die Einheiten verbinden die Größen der Zahlen durch eindeutige Zuordnung der Registrierung mit den Zuständen in der Wirklichkeit. Einheiten für sich alleine sind bedeutungslos, sie müssen erst durch unseren Geist in der Vorstellung und Erinnerung – oder im Rechner durch Erkennungsvorschriften der Messungen – mit der Wirklichkeit symbolisch verbunden werden.
Fehler beim Berechnen von Verhältnissen in der Wirklichkeit können auftreten unter anderem durch:
falsche Datengrößen (Größe oder Einheit falsch)
fehlende Datengrößen (ein in der Wirklichkeit mit-wirkender Faktor wurde übersehen)
zu kurzer Zeitraum oder zu enger Bereich mit einbezogen (sehr spät wirkende Veränderungen , Wirkungen auch außerhalb des vermuteten Bereichs)
falsche Zusammenhänge (die Verrechnungs-Formel ist fehlerhaft)
nicht genau messbare Größen (zu groß, zu klein, Störungen bei der Messung usw.)
nicht messbare Größen und Ereignisse (chaotische Systeme, außerdem vielleicht die Bedeutung von Gefühlen und spirituelle Wirkungen)
Spuren in der Wirklichkeit
Spuren sind Auswirkungen von Wirkungen in der Wirklichkeit. Aber Spuren sind für sich alleine keine Information.
Die Wirklichkeit ist so wie sie ist, weil die Vergangenheit sie so geformt hat. Alles Vergangene hat in irgendeiner Weise Spuren in der Wirklichkeit hinterlassen. Teilweise können uns diese Spuren von der Vergangenheit erzählen (historisch, geologisch oder astronomisch oder sogar psychisch). Insofern sind Spuren dann für uns eine Information. Aber sie sind nicht identisch mit Information. Sie werden erst durch unsere Untersuchung und unsere Analysen zur Information.
Wir werden nie alle Spuren registrieren können, denn jedes Atom alleine schon trägt ja die Spuren einer Milliarden Jahre dauernden einmaligen Wirklichkeits-Geschichte. Vielleicht können wir von dem einen oder anderen Atom ein wenig über die Entstehungsgeschichte (z.B. Supernova) oder die Herkunft herausfinden – aber niemals über alle Atome unserer Welt und bei einem einzelnen Atom auch nur ein paar Eckpunkte, aber nicht exakt den jeweiligen Aufenthaltsort des Atoms durch die Jahrmilliarden.
Spuren können also Informationsträger sein, wenn sie mit Wissen und Kenntnis untersucht werden. Aber die Wirk-lichkeit mit ihrer Wirk-Kraft erzeugt Spuren der unterschiedlichsten Weise ohne Unterlass und überall – ganz ohne unser Wissen. Die Spuren der Vergangenheit formen die Wirklichkeit unserer Gegenwart und die Gegenwart hinterlässt Spuren, die die Zukunft der Wirklichkeit bestimmen. Ich glaube, wir sind gar nicht in der Lage, das Wunder und die Einmaligkeit unserer Wirklichkeit vollends zu begreifen – wir können aber demütig staunen.
Zeit begreifen
DNA ist eine ganz eigene Form der Information. Sie ist eine Molekülkette, die unter den passenden Umständen bewirkt, dass sie auf chemischen Wege Lebewesen zusammenbaut, in denen sich die DNA selbst wieder reproduziert (kopiert), aber gleichzeitig sorgen diese wachsenden Lebewesen auch dafür, dass sie sich selbst erhalten, so dass sie die DNA-Information wieder weiter geben können.
Das entspräche einem Rechner, der selbst Stahl, seltene Erden und Energie erzeugen lässt und zu neuen Rechnern zusammenbaut, die dann wiederum Rechner bauen.
Doch das Erstaunlichste dabei ist im Vergleich von Rechnern und Leben:
Rechner wurden von uns Menschen konzipiert und haben vielleicht inzwischen Wege gefunden, sich selbst immer komplexer weiter zu entwickeln (ich sage bewusst, sie haben „Wege gefunden“ und nicht, sie haben „begriffen“ oder „erkannt“, weil ich bezweifle, dass sie in unserem lebendigen Sinne verstehen, was wir begreifen und erkennen nennen).
Aber das Leben auf Erden hat sich nach der Evolutionstheorie aus dem Unlebendigen ohne Rechner und ohne Vorgabe entwickelt.
Wer kann hier sagen, dass es mit Sicherheit keinen Gott gibt, der die Voraussetzungen dafür geschaffen hat, die Naturgesetze genauso wie Raum und Zeit (ohne die und deren Begrenzung es keine messbaren ursprünglichen Daten gäbe), sowie Materie und Energie die für Festigkeit und Veränderung sorgen. Und wer vermag sicher zu behaupten, dass es keinerlei Einflüsse von „oben“ von einer höheren Ebene geben kann? Kennen wir alle Einflussebenen? Verstehen wir überhaupt wirklich Raum und vor allem Zeit?
Zeitlich sind wir mit unserer Umgebung unverrückbar an das „Jetzt“ gebunden, wir können nicht in die Vergangenheit zurück oder einen Sprung in die Zukunft tun (nur „relativ“ mit der Relativitätstheorie – aber auch da sind wir immer im „Jetzt“). Aber man könnte sich Zeiträume als ein Ganzes denken (so wie wir auch die 3 Dimensionen des Raumes als ein Ganzes erleben). So enthält ein Roman das ganze Romangeschehen von Anfang bis Ende. Ein Autor kann vor der Veröffentlichung das Geschehen an jeder Stelle noch verändern. Könnte es nicht sein, dass es eine Ebene gibt, in der die Zeit nicht vergeht, sondern alle Zeit gegenwärtig ist? Wir können es uns nicht vorstellen, aber heißt das, dass es das nicht gibt? Vielleicht ist es uns einfach nicht gegeben, in dieser alle Zeit umfassenden Dimension zu leben – aber vielleicht gibt es göttliches Dasein, das genau dies vermag? Woher wollen wir das wissen?
Rechner berechnen zeitliche Ereignisse anhand von Zeitpunkten: Anfang, Ende und Veränderungspunkte. Wir können uns Zeiträume kontinuierlich vorstellen – auch wenn das die Hirnforschung anders sieht. Vielleicht liegt das ja an den Methoden der Hirnforschung, vielleicht sollte man auch einmal nach gegenteiligen Beobachtungen suchen.
Gefühle erstrecken sich über Zeiträume, sind weniger an einzelne Momente gebunden, sondern an Gesamtzeiträume. Das bedeutet auch, dass wir Zeit-Räume wahrnehmen und begreifen können, nicht nur als zeitliche Messpunkte, sondern als Erlebnis-Zeiträume.
Wir können uns an Vergangenes erinnern und wir können uns Zukünftiges vorstellen – das bedeutet, obwohl wir in der Wirk-lichkeit streng an den Jetzt-Zeit-Punkt gebunden sind, können wir Zeit-Räume begreifen und vorstellen. Vielleicht ist das eine Gabe, die Rechner nie erleben werden, weil sie Zeit immer in Zeit-Punkten berechnen (oder daraus sich ergebenden graphischen Linien, die sich nur dort mit ihrer Krümmung verändern können, wo punktuelle Daten dies vorgeben). Vielleicht ist unsere Zeit-Punkt-Gebundenheit unsere Verbindung zur Wirk-lichkeit, die in ihrer Eindeutigkeit vor heilloser Verwirrung schützt. Aber vielleicht reicht unsere Zeit-Raum-Vorstellung schon in eine höhere Ebene hinein – noch ohne die gleichzeitige Gegenwart aller Zeit, aber mit einer linearen Ausdehnung in Vergangenheit und Zukunft. Vielleicht ist das schon eine Gabe göttlichen Geistes.
Elektronen und „Gefühlsteilchen“?
Was sind Gefühle?
Die Hirnforschung hat festgestellt, dass bestimmte Gehirnregionen durch Stimulation (elektrisch oder chemisch) Gefühle auslösen. Gefühle sind also mit Chemie und Elektrizität (Nervenreizleitung) verbunden. Die Verbundenheit der Nerven in unserem Körper und besonders in unserem Gehirn erinnern daher an die Datenverarbeitung in einem Computer. Vielleicht arbeiten unser Verstand und unser Denken tatsächlich ähnlich. Vielleicht ist unser Kopf voll mit Algorithmen (so ähnlich beschreibt es Harari als eine Möglichkeit in „Homo Deus“, Kapitel: „Die Zeitbombe im Labor“), die uns Zusammenhänge erkennen lassen, die Bilder in unserem Geist entstehen lassen, die bei der Steuerung, der Voraussicht und der Erinnerung eine Rolle spielen. Die Erinnerung/Speicherung von Daten („so ist das und so ist es nicht“ – wie im Rechner „Strom fließt und Strom fließt nicht“) ermöglicht Zusammenhänge und Wahrscheinlichkeiten zu erkennen.
Doch sind das schon Gefühle? Sind Gefühle auch Algorithmen – ist das eine gesicherte Behauptung? Ich bezweifle das. Botenstoffe und verbunden Nervenreize mögen ein Teil der Daten sein, die unser Kopf verarbeitet, aber sie sind nur das Werkzeug, die Mittel, mit denen Gefühle erzeugt und gesteuert werden können. Sie erzeugen Bilder in unserem Kopf, die Gefühle auslösen. Aber sind diese – vielleicht tatsächlich algorithmisch erzeugten – Bilder die Gefühle selbst? Oder sind Gefühle noch einmal etwas anderes?
Ich möchte hier ein Fantasie-Beispiel beschreiben, wie Erkenntnisse täuschen können (bei seriöser Wissenschaft ist man sich dessen auch voll bewusst): Ein paar Aliens kommen aus einer anderen Galaxis auf unsere Erde. Sie werden nicht gesehen, da sie aus dunkler, unsichtbarer Materie bestehen und dunkle Energie verwenden (beides vermutet die Astrophysik inzwischen im Weltall). Sie sehen Menschen, die Autos fahren. Sie setzen sich heimlich mit in die Autos hinein und beobachten, dass das Auto mit Hilfe vom Gaspedal beschleunigt und mit der Bremse sich verlangsamt. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Autos durch Pedale gefahren und gesteuert werden. Doch sie hören auch Menschen zu, die sich über ihre Autos unterhalten. Dabei erfahren sie, dass die Fahrzeuge durch Benzin oder Akkus mit Flüssigkeits-Inhalt bewegt werden. Da die Aliens in ihrer Welt dunkler Materie und Energie aber kein Benzin und keinen Strom kennen, lehnen sie diese Vorstellung ab: Flüssigkeiten sind selbst beweglich und können niemals andere Dinge gegen die Schwerkraft bewegen. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Menschen nur glauben, dass die Fahrzeuge durch Flüssigkeiten den Berg hinauf fahren können, vielmehr muss sich in den Pedalen ein Mechanismus befinden, der die Autos vorwärts treibt.
So selbstsicher, wie diese Aliens, erscheinen mir heute manche Wissenschaftler, die meinen, alle Wirkungen und Gesetzmäßigkeiten des Daseins zu kennen, und die sich daher nicht vorstellen können, dass es etwas gibt, das sich ihrer Analyse grundsätzlich entziehen könnte. Und doch wussten wir bis vor wenigen Jahrhunderten fast nichts über Elektrizität, über Bakterien und Viren, über Sonnenstürme und ferne Galaxien, über Dunkle Materie und Energie, über Quantenphysik und Relativitätstheorie. Wie kurzsichtig ist es, zu denken, heute könnten wir alles grundsätzlich Wichtige erkannt haben und seine Mechanismen verstehen?
Man könnte entgegnen, dass wir fast schon die universale Weltformel gefunden hätten, nach der alles funktioniert – nur ein winziger Schritt fehlt noch. Vielleicht verbirgt sich ja in dem winzigen Schritt ein größeres Geheimnis als erwartet? Aber selbst wenn dies nicht der Fall ist, so bleibt uns naturwissenschaftlich ein ganz großer Teil des Daseins unerschließbar. Warum? Weil naturwissenschaftliche Daten mit Zahlen arbeiten, und Zahlen bezeichnen Anfangs- und Endpunkt, aber niemals die Fülle einer ganzen Ausdehnung, die im Inneren ja unendlich viele Möglichkeiten der Variation besitzt. Alleine ein einziges Zimmer: wie viele Möglichkeiten gibt es, dieses einzurichten – und das beschreibt nur einen festen Zustand. Wie viele Möglichkeiten darin zu leben gibt es, sich zu bewegen, zu gestalten, zu arbeiten, zu feiern, zu schlafen, zu träumen, zu atmen, zu essen, zu reden, zu planen, zu denken, zu wünschen, und vieles mehr. Jeder kleine Luftzug wirbelt Aberbillionen Luftmoleküle durcheinander, wodurch sich die Situation jedes einzelnen Moleküls wieder ändert. Und die Position und Schwerkraft von Erde, Sonne, Planeten, dem Zentrum der Milchstraße und entfernter Milchstraßen ändert sich jeden Augenblick – und selbst wenn der Einfluss minimalst ist, er ist da und verändert sich ständig. Durch chaotische Prozesse kann auch plötzlich die kleinste Veränderung riesige Auswirkungen haben. Die Wirklichkeit ist selbst in ihrer körperlichen „Jetzt-Zeit-Punkt-Gebundenheit“ nicht wirklich voraus berechenbar, nur mit Wahrscheinlichkeiten.
Die Wirk-lichkeit ist mehr als eine Summe von Berechnungen. Sie ist trotz all ihrer physikalischen Berechenbarkeit in kleinen Ausschnitten als Ganzes einmalig und nie berechenbar. Und wir sind Teil dieser einmaligen Wirklichkeit.
Und ich glaube – kann es aber nicht beweisen (das liegt in der Natur der Sache) – dass unser Geist Zeit nicht nur begreift als etwas mit Anfangs-, End- und Zwischenpunkten, sondern als eine kontinuierliche Ausdehnung. Diese kontinuierliche Ausdehnung ist durch Daten, die aus rechnerisch benennbaren Punkten bestehen, nicht ausdrückbar, nicht beschreibbar. Messungen als körperliche Ereignisse sind immer auch mit einem Zeitpunkt der Gültigkeit verbunden, sie dehnen sich nicht in die Zeit hinein aus, sogar Zeit wird durch die Addition von gleichen Vorgängen gemessen, nicht als Zeit an sich.
Aber schon bevor es Zeitmessung gab, haben wir trotz unserer körperlich-physischen Jetzt-Zeit-Gebundenheit Zeit als Ausdehnung begriffen. Auch Tiere tun dies (vielleicht auch Pflanzen), sonst könnte ein Löwe keine Beute erjagen.
Diese Zeitvorstellung ist meiner Meinung nach grundverschieden von der physikalischen Zeitmessung. Harari beschreibt zwar, dass Experimente nachgewiesen haben sollen, dass wir Zeit punkthaft und nicht als Dauer erinnern. Aber mich hat das nicht wirklich überzeugt. Es mag durchaus sein, dass ein Teil unseres Geistes empfangene Daten mit Zeitpunkten verknüpft, also rechnerisch arbeitet. Aber das heißt keineswegs, dass unser ganzer Geist in der Erinnerung allein auf Grund errechneten Daten (mithilfe von Gehirn-Algorithmen) arbeitet. Harari führt Experimente an, die dies aber belegen sollen (Harari „Homo Deus“ Kapitel „Wer ist Ich?“ S.396ff, Experiment von Experimente von Daniel Kahneman). So sollten Probanden ihre Hand einmal für 60 Sekunden in 14° kaltes Wasser halten, das nächste mal ebenso, nur dass dann noch die Hand 30 Sekunden in auf 15° erwärmtes Wasser gehalten wurde. Die meisten bevorzugten auf Nachfrage die längere Zeit im kalten Wasser (insgesamt 90 Sekunden mit 14° und dann 15°) vor der kürzeren Zeit (60 Sekunden) nur im 14° kalten Wasser. Daraus wurde der Schluss gezogen, dass das erinnernde Teil unseres Selbst keine Zeiträume misst, sondern Höhe- und Endpunkte gefühlsmäßig bewertet. Aber könnte es nicht sein, dass das langsame Aufhören einer unangenehmen Situation (kaltes Wasser) angenehmer ist, dass das vergleichsweise erwärmte Wasser vielleicht sogar richtig wohltuend empfunden wurde, während das abrupte Aufhören der Kälte auch nicht angenehm war? Wurde vielleicht deshalb die zweite, wenn auch längere unangenehme Situation bevorzugt wurde? Bei solchen Experimenten gibt es sehr viel zu beachten und zu bedenken, um keine falschen Schlüsse zu ziehen.
Können wir uns an Zeiten nur punktuell erinnern und nicht als wirkliche Dauer? Ich kann mich aber an unangenehme Zeiten erinnern, die mir vor allem wegen ihrer mir lang erscheinenden Dauer in Erinnerung geblieben sind, nicht der Punkt des Beginns, kein Zeitpunkt der Änderung und nicht das Ende, z.B. als ich krank und leidend im Wartezimmer eines Arztes sitzen musste. Ich erinnere mich dabei vor allem daran, dass sich dieses Warten ewig hinzog.
Ich habe auch zwei Kinder geboren. Ich kann mich kaum mehr an Schmerzen erinnern (vermutet wird eine Schutzfunktion des Geistes, so dass wir Frauen bereit sind trotz der Schmerzen mehr Kinder zu bekommen) – aber ich kann mich sehr wohl an die Dauer und die Ungeduld erinnern. Auch wenn ich mich dabei vielleicht an einzelne „Ereignispunkte“ erinnere, ist mir das Erleben der Dauer durchaus noch gegenwärtig.
Da das Erleben und Erinnern von Dauer eine Fähigkeit der Vorstellung von Zeit als einem kontinuierlichen Fluss und einer durchgängigen Dauer ist, kann dieses Erleben nur mit subjektiven Worten beschrieben werden, es kann nicht in Zahlen (die rechnerisch an die Jetzt-Zeit-Punkte gebunden sind) ausgedrückt werden. Daher wird es nie einen messbaren naturwissenschaftlichen Beweis dafür geben können, dass unser Geist Dauer erleben kann und sich Zeiträume vorstellen kann.
Unser Körper ist genauso wie ein Rechner an die 3-dimensionale Welt gefesselt. Die körperliche Welt ist für uns wirk-lich – also auch bei Messungen – nur im „Jetzt-Zeit-Punkt“ zugänglich. Daten können zwar Veränderungen in der Zeit beschreiben, aber immer nur an Zeitpunkten. Es gibt zwar Graphen und Kurven, mit denen wir Veränderungsweisen auch beschreiben können – aber erstens lesen wir die Werte wieder zu bestimmten Zeit-Punkten rechnerisch ab und zweitens können wir nie hundertprozentig wirklich wissen, was zwischen den Messpunkten geschieht.
Als geistige Menschen erleben wir sowohl Zeit-Punkte, erleben Gegenwart als unseren Jetzt-Zeit-Punkt – aber wir verstehen auch, dass sich Zeit ausdehnt, wir können Zeiträume (z.B. als lang oder kurz) erinnern und uns Zukunft als Zeitraum vorstellen. Das heißt, unser Geist ist nicht nur 3-dimensional (Raumdimensionen Höhe, Länge, Breite) plus 0-dimensionaler Zeit-Punkt (ein Punkt ist Null-dimensional), sondern unser Geist ist mindestens 4-dimensional, er erkennt den Raum in seinen 3 Dimensionen und die Zeit als Dauer (quasi als Linie).
Ich vermute, wenn wir nicht den mindestens 4-dimensionalen Geist hätten (der nicht mit der Jetzt-Zeit-gebundenen Körperwelt beschreibbar ist), wären wir auch niemals in der Lage gewesen, Uhren zu erschaffen und zeitliche Vorgänge zumindest mit Zeitpunkten zu beschreiben oder als Daten in einen Rechner einzugeben.
Noch ein alltägliches Beispiel für Zeitdauer-Wahrnehmung: wenn ich lange gelaufen/gestanden bin und erschöpft bin und sehe dann einen Stuhl, dann stelle ich mir vor, wie angenehm und erholsam es wäre, sich jetzt hinzusetzen. Dabei stelle ich mir keine einzelnen Zeitpunkte vor, sondern ich stelle mir vor, wie sich meine Muskeln nach und nach entspannen und wie wohltuend das wäre. Natürlich kann man behaupten, ich denke doch unbewusst an einzelne Zeitpunkte, verwische sie aber in meiner Vorstellung. Nun – das Gegenteil kann ich aus bekannten Gründen niemals beweisen.
Gute Information wertet nicht (Gefühle sehr wohl), sie gibt nur einfach wieder, was ist. Pures Handeln auf Grund von Information braucht eine Zielvorgabe, die der Entwickler beispielsweise einem Roboter oder Rechner vorgibt. Hat der Rechner damit Gefühle, oder arbeitet er nur einfach die Informationen und die ab und führt Aktionen aus, die sich sachlich aus den Informationen in Verbindung mit der Zielsetzung ergeben?
Die Daten werden im Gehirn und im Rechner mit Elektronen weitergeleitet und verarbeitet. Wo sollen dabei Gefühle entstehen? Gibt es isolierbare „Gefühlsteilchen“? Haben Elektronen Gefühle? Freut sich ein Elektron, wenn es sich auf einen positiven Pol zubewegen kann? Vielleicht, aber das ist eine sehr einfache Freude, die stattfindet oder nicht. Dennoch ist unklar, was dann das Gefühl im Elektron ist – oder ist das Elektron selbst das Gefühl?
Der Transhumanismus, so mein Eindruck, sieht die Emotionen wohl aus den Regeln (Algorithmen) der Informationsverarbeitung durch die Nerven-Netzwerke entstehen. Aber enthalten Regeln Gefühle? Sollten Regeln nicht gerade frei von Gefühlen sein und wertfrei und sachlich befolgt werden? Was wenn die Algorithmen selbst Gefühle wären – ich glaube nicht, dass dann Rechner so zuverlässig arbeiten würden, wie sie es tun.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass manche Menschen, die ganz viele „Daten“ bewusst aufnehmen, verbinden (z.B. rechnerisch) und erinnern können, bisweilen mit dem Erkennen von Gefühlen bei anderen Menschen Schwierigkeiten haben, oder ihre eigenen Gefühle kommen bei zu viel Wahrnehmung durcheinander, da bewusst wahrgenommene Daten in unserem Geist mit Gefühlen verbunden werden. So haben die meisten Menschen eine eingeschränkte Bewusstheit über die empfangenen Daten, können nicht alles, was ihre Sinnesorgane oder ihr Denken denkt weiter speichern und verwerten. Dadurch wird die Gefühlswelt nicht überfordert, aber sachliche sehr komplexe Analysen werden erschwert.
Aber noch einmal: wo ist der Ursprung der Gefühle, wo kommen sie her – wissen wir das überhaupt schon, können wir sie überhaupt mit Theorien aus unserer körperlichen „Jetzt-Zeit-Punkt-gebundenen“ Wissenschaft erklären?
Gefühle hängen mit Erkenntnis zusammen – aber mit welcher Erkenntnis?
Gefühle werten, sie ordnen Erlebtes oder Vorgestelltes ein, finden etwas gut oder schlecht.
Gefühle gibt es in vielerlei Nuancen und Hierarchien – wir fühlen vermutlich nie nur ein Gefühl alleine, sondern unsere Gefühle weisen jederzeit vielfache Schattierungen auf – aber es gibt Hierarchien, so dass wir uns entscheiden können. So kann ich freudig erwartend sein, weil ich in Urlaub fahre, aber unruhig, weil ich mit dem Kofferpacken zu lange gebraucht habe, aber erleichtert, weil die Ampel, an der ich ankomme sofort auf Grün umschaltet…
Gefühle sind sehr oft auf Kommendes ausgerichtet, nur selten sind wir ganz im „Hier und Jetzt“, kümmern wir uns weder um Vergangenes noch um Zukünftiges. Diese Zukunftsorientierung der Gefühle bedeutet, dass Gefühle mit Zeitwahrnehmung verbunden sind.
Wenn es zutrifft, was ich oben versucht habe zu schildern (nicht zu beweisen), dass unsere Zeit-Wahrnehmung anders als Daten und körperliche Welt 4-dimensional ist, dann bedeutet das, dass Gefühle allein durch Daten nie erfasst und beschrieben werden können.
Aber was lenkt unsere Gefühle? Hier kommen wir in Bereiche, die schnell das Spirituelle berühren.
Man könnte sagen, Gefühle führen seit Jahrmillionen dazu, dass Leben sich vermehren will und dafür sorgt, dass es wieder und wieder geschieht – und warum? Einfach weil mehr mehr ist als weniger, und daher das, was mehr ist, sich durchsetzt.
Aber warum leben wir überhaupt in einer Welt, die aufgeteilt ist in verbundene und doch einzelne Erscheinungen, in der es überhaupt „mehr“ und „weniger“ geben kann, in der die Vielfalt der Erscheinungen sich stetig wandelnd und doch genügend stabil um nicht völlig zu zerfallen existiert? Wieso gibt es stabile Naturgesetze (der Mensch hat noch kein einziges Naturgesetz erschaffen können, er kann sie nur klug oder weniger klug anwenden). Heute gibt es oft die Antwort dazu: weil es eine Möglichkeit ist, und weil jede Möglichkeit einmal entstehen kann. Das ist eine innerweltliche Vorstellung. Und sie beantwortet nicht die Frage, warum es überhaupt Möglichkeiten gibt.
Das vielleicht stärkste Gefühl ist die Liebe, und sie wünscht sich normalerweise Dauer. Doch ist in unserer Welt alles vergänglich, sogar astronomische Größen (Sonnen, Galaxien, Galaxienhaufen) wandeln sich und sind möglicherweise vergänglich. Das ist der ständige Schmerz der Liebe. Und es treibt uns an, Wege der Vergänglichkeit wenigstens möglichst lange zu entfliehen.
Wenn es einmal die körperliche räumliche 3-dimensionale Welt gibt, aber wir andererseits auch die Dimension des uns nicht zugänglichen Zeit-Raums erkennen, der aber nur in der Erinnerung oder der Vorstellung in uns lebendig ist, während wir körperlich an den Jetzt-Zeit-Punkt gefesselt sind.
Wäre es nicht denkbar, dass es eine Welt gibt, in der Zeit als Ganzes vorhanden ist? Ist es nicht sehr vernünftig, wenn man dabei an einen Gott denkt, den man nie begreifen kann, der aber unsere Welt „in Händen hält“, der die Zeit in einem viel umfassenderen Sinne beherbergt, als wir es uns vorstellen können, und der die Möglichkeit für unseren Geist gegeben hat, ein wenig von der Dimension der Zeit zu erfassen und somit Dauer und Vergänglichkeit zu erkennen? Und der uns ahnen lässt, dass mit dem körperlichen Sterben nicht alles aus ist, sondern dass wir dann einen ganz anderen Zeit-Raum betreten, der uns nicht mehr an den „Jetzt-Zeit-Punkt“ fesselt? Ist das eine zwar unbegreiflichere aber viel schönere Hoffnung als. Im Vergleich zu der Hoffnung irgendwann als Algorithmus in einem Rechner lange zu überleben ist diese Hoffnung zwar unfassbarer aber doch viel lebendiger.
Der christliche Gott wird als die Liebe bezeichnet. Wenn der überzeitliche Raum Liebe ist, dann ist verständlich, dass diese Kraft mit ihrem Willen ein Universum hervorbringen kann, mit all seinen Möglichkeiten, und uns mit einem Geist, der schon ein wenig ahnt von der Existenz von das rein Körperliche übersteigenden Zeiträumen und einer Liebe, die nicht mehr der Vergänglichkeit ausgesetzt ist, sondern die im Überzeitlichen bleibend lebt.
Diese Vorstellung ist nicht beweisbar, doch Menschen haben sie durch die Jahrtausende getragen.
Ob es jemals sinnvoll gelingen wird, dass wir in Rechnern weiter existieren, ist fraglich. Und dann ist alles zu Ende, wenn der Strom global ausfallen sollte, oder die Sonne zur Supernova wird. Denn auch die Daten im Rechner sind nicht ohne die Körperlichkeit des Rechners und der Strom-Elektronen denkbar. Geordnete Information kann verschwinden. Sie mag zeitweise ihr Umfeld geprägt haben, Spuren mögen in alle Ewigkeit sichtbar sein, aber die algorithmische Ordnung ist zerstört.
Wie viel freudvoller ist hier der Glaube an eine überzeitliche Welt, die uns erwartet und uns von allen Sorgen und Ängsten und Leiden (die alle aus der körperlichen Vergänglichkeit entstehen) befreit ein Dasein der Freude gewährt.
Harari beschreibt, wie wir Menschen aus ganz verschiedenen Willen und Gefühlen bestehen und dass es auch denn „freie Willen“ so nicht gibt (Kapitel „Die Zeitbombe im Labor“ S. 379-391). Wie zeigt sich freier Wille – doch sicher nicht, indem ich das tue was mir oder meinen Werten schadet – also bedeutet das, dass es – außer ich werfe ein Münze oder lass sonst den Zufall entscheiden – dass es immer gute Gründe und Notwendigkeiten dafür gibt (gleich ob bewusste oder unbewusste), wie ich mich entscheide. Das ist aber keine Unfreiheit. Aber Lebewesen (und vielleicht sogar Pflanzen) sind in der Lage, sich der Schwerkraft durch gewonnene Energie zu widersetzen, und dadurch sind sie nicht passiv den physikalischen Gesetzen ausgeliefert, sondern sie können die Naturgesetze nutzen, um in gewissen Rahmen das zu tun, was sie tun möchten. Ich kann einen Berg hinaufsteigen – ein Stein kann nur hinunterfallen.
Dass die Beeinflussung von Hirnströmen den Willen ändern kann, bedeutet meiner Ansicht nach nicht, dass der Wille grundsätzlich rundherum unfrei ist – aber er ist beeinflussbar. Wenn ich von A nach B will, aber ein Hindernis liegt im Weg, werde ich auch diesen Weg nicht einfach fortsetzen können, was aber nicht heißt, dass nicht ich mich nicht zuvor selbst dafür entschieden hatte, von A nach B zu kommen. Das externe Hindernis (oder auch ins Hirn eingeführte Elektroden) zwingt mich anders zu handeln, aber das spricht nur für die Anpassungsfähigkeit des Willens.
Ansonsten ist aus meiner Sicht die Freiheit des Willens eine Funktion der Zeit: für die Zukunft und in kleinerem Maßstab in der Gegenwart kann ich Entscheidungen nach meinem Willen treffen. Für die Vergangenheit ist das nicht mehr möglich, da ist alles „gelaufen“ und festgeschrieben.
Tatsächlich haben wir vielerlei Willen und Gefühle, die aber hierarchisch geordnet sind (und nicht, wie Harari es nahezulegen scheint, ein Durcheinander der Stimmen bilden, ebenfalls Kapitel „Die Zeitbombe im Labor“ S. 379-391). Wir treffen auch ständig kleinste, größere und größte Entscheidungen für den Lauf unseres Lebens, und dafür muss es – oft vielleicht nur unbewusst – eine Hierarchie des Wollens und Fühlens in uns geben. Diese Vielfalt an „Stimmen“ in unserem Ich, die Vielfalt der Rollen, die wir spielen (Partner, Freund, Arbeitnehmer, Kunde, usw.), sie sind gerade kein Hinweis dafür, dass es kein wirkliches Ich gibt und stattdessen nur verarbeitende Algorithmen Vielmehr ist unser Ich in der Lage die verschiedensten Situationen, die verschiedensten Wünsche, die verschiedensten Gefühle, hierarchisch zu ordnen und den innersten (vielleicht gar nicht bewussten) Wünschen und Gefühlen zuzuordnen. Mehr oder weniger sinnvolle Reihenfolgen der Verwirklichung des Gewünschten werden erkannt und möglichst verwirklicht, bei Störungen werden neue Wege gesucht (Beispiel: Wunsch im Urlaub entspannen – vorher Geld sparen, geht schneller bei Beförderung, also trotz Stress fleißig sein, keinen Ärger machen, Überstunden, viel Kaffee trinken um durchzuhalten, usw. – reicht das Geld immer noch nicht für den Wunschurlaub, Alternativen im Internet suchen oder Urlaub verschieben).
Wenn aber die Wünsche und Gefühle (im gesunden Zustand) eine hierarchische Ordnung meines Wollens und Handelns bewirken können, was ist dann der oberste Wunsch, der alles unter sich einordnet?
Eine große Rolle spielt sicher die Erziehung und die Erfahrungen, die das Leben so mit sich bringt. Aber sind wir völlig formbar, oder gibt es tiefste Wünsche, die uns alle in der einen oder anderen Form durch das Leben begleiten?
Wie wäre es, wenn ich statt einem Ich nur ein Bündel Algorithmen wäre? Diese würden aus punktuellen Daten zusammengesetzt, die aus der Jetzt-Zeit-gebundenen Körperwelt stammten und in mathematischen Zahlen ausgedrückt würden. Zahlen aber sind völlig neutral, sie ordnen nur Größen. Aus Zahlen entstehen keine Wünsche. Ein Roboter, dem sein Algorithmus sagen würde, er solle sich selbst vernichten, würde dies wohl ohne zu zögern und leidfrei tun.
Wo also kämen uns Algorithmen-Menschen die Wünsche her? Gab es ein Lebewesen, das uns im Inneren schon vorprogrammiert hat, dass wir bestimmte Entscheidungen bevorzugen, entsprechend der Rechenergebnisse bei der Verarbeitung der Rechengrößen-Daten? Wo würde das Empfinden kommen, etwas sei sinnvoll und nicht nur rechnerisch korrekt? Würde eine Jetzt-Zeit-gebundene Rechenmaschine (die der Mensch dann wäre), nicht nur jeden Moment seinen Zustand und den seiner Umgebung zur Kenntnis nehmen, ohne Gefühle? Würde er Befehle, die er im Programm hat einfach lustlos aber auch ohne Widerstreben ausführen, einfach weil es Befehle sind (dass Rechner Entscheidungen zu treffen können, ist noch kein Beweis für eigenständige Wünsche)? Und woher kämen die Befehle? Von Supermenschen?
Werden nicht allen Rechner ein paar Grundbefehle eingegeben, nach denen sie dann Daten verarbeiten und auch auswerten und Entscheidungen treffen? Ein Rechner, in dem nur die Energie der Elektronen die Entscheidung treffen könnte, würden diese Rechner nicht alle verkomplizierenden Daten ablehnen und den negativ geladenen Elektronen den schnellsten und kürzesten Weg zum Pluspol ebnen? Hat nicht stattdessen ein Mensch (bzw. viele Menschen) dem Rechner in seiner Computersprache Rechen-Aufgaben gestellt, die dieser jetzt abarbeiten muss (inklusive Befehle an körperliche Apparate mit Rückmelde-Sensoren, wie z.B. Roboter), damit die Elektronen auf verschlungenen Wegen zum Pluspol in der Steckdose kommen können? Haben die Elektronen nicht nur den einzigen Wunsch, den Pluspol zu erreichen, müssen aber dabei vom Menschen aufgestellte Hindernisse bewältigen? Sie stellen dann zwar selbst auch Hindernisse auf, aber diese dienen doch – so vermute ich – letztendlich nur dazu, den Weg zum Pluspol frei zu machen. Dies geschieht rechnerisch kalkulierend und sachlich.
Punktuelle Daten sind gewissermaßen wie die innere Oberfläche (Fläche = 2-dimensional) eines Sandkasten-Förmchens: sie vermitteln die Form, aber sie haben selbst keine Substanz (keine 3-Dimensionalität), sind eine Dimension niedriger als die Wirk-lichkeit (daher auch als Daten nicht an Ort und Zeitpunkt der Verarbeitung gebunden). Die Festigkeit, die die Oberfläche des Förmchens scheinbar zeigt, kommt vom 3-dimensionalen Plastik-Körper des Förmchens. Für Wirk-lichkeit braucht es in Ort und Zeit einmalige höher dimensionale Objekte (mit 3-dimensionalem Raum und fließender Zeit).
Kann sich ein datenverarbeitendes System selbst einen tieferen Sinn als die Pluspol-Suche geben?
Kann der Mensch sich selbst den letzten, tiefsten Lebenssinn geben? Wäre es dieser Sinn, dass alle Menschen immer glücklich sind? Ich bezweifle es. Es gibt ja das Sprichwort: „wenn es dem Teufel zu geht, geht er aufs Eis zum Tanzen (mit Pferdefuß natürlich)“. Wenn alles prima läuft, neigen wir dazu, Herausforderungen zu suchen, die uns an unsere Grenzen führen. Wir wollen eigentlich gar nicht permanent glücklich sein, sondern wir wollen uns und das Leben, das Auf und Ab des Daseins spüren. Oft sind wir glücklich, wenn wir vorher gelitten haben und das Leiden aufhört. Ob wir ohne zeitweiliges Leiden glücklich sein können, ist fraglich. Vielleicht, wenn wir buddhistische Erleuchtung und Wonne erfahren haben. Aber das ist schon ein spiritueller Weg.
Vielleicht ist es doch die unvergängliche Liebe, die wir letztendlich suchen. Wir können sie nicht wirklich genau beschreiben, sie übersteigt unsere körperliche Welt. Und oft gehen wir große Umwege auf der Suche nach ihr, unterliegen Irrtümern, gehen Wege, die uns nur scheinbar zum Ziel führen. Es sind auch Umwege, auf denen wir Erfahrungen machen, Leid und Glück erfahren und uns selber spüren und kennen lernen.
Ich bezweifle sehr, dass Algorithmen mehr als Hilfsmittel auf diesen Weg sein können, und vor allem können sie uns unbemerkt auf zahlreiche Irrwege führen. Rechner können Verhaltensweisen und Ausdruck von Gefühltem registrieren, Häufigkeiten mit bestimmten Situationen in Wahrscheinlichkeits-Zusammenhänge bringen. Sie können sogar auf registrierte Gefühlsäußerungen als Roboter selbst scheinbar Gefühle zeigen (z.B. Lächeln, bestätigende, aufmunternde Worte, usw.), aber es sind nur punktuelle Zahlen-Daten, die dies veranlassen, es sind keine echten Gefühle dahinter.
Vielleicht ist der Hyphe um die Vorstellung, dass wir aus Information, Daten und Algorithmen bestehen auch ein Weg des Irrtums, der uns anschließend umso deutlicher zeigt, dass wir eben nicht nur aus Information, Daten und Algorithmen bestehen. Sie könnten durchaus wirklich einen großen Teil unserer Verarbeitung von Sinneseindrücken und auch unseres Denkens ausmachen – aber sie sind nicht das Innerste unseres Daseins. Das liegt auf einer ganz anderen Ebene.
Viele Menschen können an einen fernen, unbegreiflichen Gott glauben, aber nicht an einen persönlichen Gott. Aber die Schöpfung enthält die Möglichkeit – und hat sie auch verwirklicht – Gefühle zu empfinden. Ist es da so abwegig, dass dem Schöpfergott Gefühle nicht fremd sondern vertraut sind, dass er die Schöpfung aus Liebe hat werden lassen und mit Liebe umfängt?
Es gibt darauf keine eindeutige Antwort, kein wissenschaftliches „Ja“ oder „Nein“. Aber es gibt spirituelle Erfahrungen, und wenn sie nicht nur „verkorkste“ Daten sind, dann dürfte an einem persönlichen Gott, der seine Schöpfung sieht und liebt, etwas Wahres sein.
Ich versuche diese Frage noch einmal auf andere Weise darzustellen.
Wunderbar und zugleich geheimnisvoll ist die Wirklichkeit – mit berechenbaren Wirkungen und doch als Ganzes nicht mehr zu erfassen. Alles, wirklich alles hat in der Wirklichkeit seinen einmaligen Ort mit seiner einmaligen Zeit. Alles ist ineinander verwoben und verbunden und doch wiederum eigenständig. Raum und Zeit gewähren den Erscheinungen der Wirklichkeit den Möglichkeitenraum für die Unterscheidung, für die unterschiedlichen Größenordnungen und doch verbinden Raum und Zeit die vielen einmaligen kleinen Einzeldinge und die vielen kurzen Einzelereignisse zu größeren und noch größeren Einzeldingen und zu längeren und noch längeren Einzelereignissen – bis der ganze Raum und die ganze Zeit erfüllt und eins sind – was unser Geist nicht mehr fassen kann. Wir wissen noch nicht einmal, ob Raum und Zeit endlich oder unendlich sind. Und doch sind auch wir lebendiger, denkender und fühlender Bestandteil dieser unglaublichen und zutiefst geheimnisvollen Wirklichkeit.
Doch wie entstanden Raum und Zeit und danach darin die Einzeldinge und durch Veränderung die Ereignisse? Die Wissenschaft vermutet einen „Urknall“. Aber wie kam es zu dem Urknall, warum geschah er, und wieso gibt es Naturgesetze, die stabil und unveränderlich den Wandel ordnen und doch so vielfältig alles sich entwickeln lassen?
„Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts was geworden ist.“ (Johannes-Evangelium 1,1-3)
Steckt in diesen Bibelversen die Wahrheit? Oder sind wir unsere Umwelt nur Daten und Algorithmen? Sind Gefühle und Geist nur berechenbare Funktionen von Elektrik und Chemie, von gebündelter und verbundener Information? Ist der Dataismus möglicherweise die „Religion“ der Zukunft, wie Harari es als Möglichkeit beschreibt („Homo Deus“ Kapitel: „Die Datenreligion“? Ist das „Wort“ von dem die Bibel schreibt, ein Datensatz, ein Algorithmus?
Aber kann ein Datensatz mit Algorithmus unser wunderbares und geheimnisvolles Universum hervorbringen, mit all seinen Einzelstrukturen und in einer abgegrenzten und doch verbundenen Einmaligkeit vom Größten bis zum Kleinsten? Ein Universum, in dem alles seinen ganz eigenen Ort und seine ganz eigene Zeit hat? Ein Universum, das von Lebewesen bewohnt ist, die geistig aktiv sind und leidenschaftlich oder in Stille im Inneren fühlen können?
Vielleicht können wir die Frage nach dem Ursprung gar nicht beantworten.
Oder hat doch ein Gott, der die Liebe ist, das Universum und damit auch uns Menschen und noch viel anderes Leben aus seiner Liebe heraus werden lassen?
Ich weiß es nicht, persönlich aber neige ich zu der Antwort des Glaubens (nicht des Wissens), dass ein Gott der Liebe der Ursprung des Universums ist, und dass uns seine Liebe immer noch begleitet.
Menschen, die aus ihrem Innersten heraus aufrichtig beten können, oder Menschen, die durch tiefe Meditation die Wünsche und Ängste des Alltags zeitweise schweigen lassen können, diese Menschen berichten teilweise von einem Licht, das sie erleben, das nicht mit unserem weltlichen Licht zu beschreiben ist, für das es in dieser Welt keine wirklich passenden Worte gibt, ein Licht, das sie mit Liebe und Glückseligkeit oder Wonne erfüllt. Sie sind überzeugt, dass es diese unsere Welt und Wirklichkeit von etwas durchdrungen ist, das nicht von dieser vordergründigen Welt ist, die wir unseren Alltag nennen. Diese andere Wirklichkeit ist uns im Grunde näher als all die materielle Welt, die wir mit unseren Sinnesorganen wahrnehmen. Kann das sein? Ich zumindest glaube es.
Hohlraum Universum
Der ungefüllte Hohlraum der Daten und Informationen gibt der Fantasie Raum, diesen Hohlraum zu füllen (ich kann mir auf verschiedenste Weise ausmalen, was zwischen Anfang und Ende eines Zeitraums geschehen kann – z.B. im Urlaub, oder ich kann mir ausmalen, wie ein Zimmer mit einer bestimmten Größe eingerichtet wird, usw.). Ein Hohlraum ist auch immer ein offener Möglichkeiten-Raum. Das Füllen dieses Raumes kann anregend sein, wenn es Auswirkungen auf die Wirklichkeit hat, kann es schädlich, nützlich oder einfach eine Freude sein.
Wenn aber die Information eine möglichst genaue Darstellung der Wirklichkeit liefern soll (z.B. um Handlungen zu steuern, wie bei einem selbstfahrenden Auto oder einen laufenden Roboter, oder das Verhalten der Gesellschaft zu ändern, beispielsweise um die Klimaerwärmung, die durch CO2 vermutet wird, zu mindern), dann müssen zahlreiche Daten miteinander verrechnet werden. Dabei ist die Gefahr von – unbemerkt durch uns – sich drastisch hochschaukelnden Fehlern groß. Die Folgen, wenn die fehlerhaften Berechnungs-Ergebnisse mit Auswirkungen auf die Wirklichkeit verbunden werden, wären möglicherweise sehr schädlich.
Sind Raum und Zeit nicht auch wie große, vielleicht grenzenlose Hohlräume (Möglichkeiten anbietende Räume = Möglichkeitenräume)? Sind Raum und Zeit Hohlräume, die mit der Vielfalt unseres Kosmos gefüllt wurden und weiterhin mit ständig veränderten Zuständen gefüllt werden können? Aber anders als bei den hohlräumigen Daten und Informationen kennen wir in Raum und Zeit als Ganzes keine einengenden Grenzen, Raum und Zeit als Ganzes engen nicht ein (wie umgekehrt starre Daten und enge Informationen, die aus begrenzendem Anfang und Ende ihren Wert erhalten). Kosmischer Raum und kosmische Zeit bieten sich als offene Möglichkeitenräume der lebendigen Vielfalt an.
Die Wirklichkeit macht keine Fehler, sie ist einfach so, wie sie ist, einmalig und wirkend. Sie ist entspricht allerdings oft nicht unseren Wünschen, Gefühlen und Erwartungen – aber fehlerhaft oder unerträglich erscheint sie dann nur uns – die Wirklichkeit selber ist so wie sie ist.
Berechnungen können dagegen fehlerhaft sein: weil der Rechenvorgang oder die Daten falsch sind (die Daten nicht die Größenwerte der Wirklichkeit verhältnismäßig richtig wiedergeben oder Daten fehlen), oder die Berechnungen sind rechnerisch richtig, aber das Ergebnis führt zu Handlungen, die nicht erwünscht sind (z.B. ein selbstfahrendes Auto fährt ohne Not in den Graben) oder es ergeben sich ungewünschte Darstellungen (z.B. bei einem Spiel). Wenn Ergebnis und Erwartung nicht zusammen passen, kann aber eine Änderung der Programmierung vorgenommen werden.
In der Wirklichkeit können wir Dinge verändern, nicht nur passiv (wie ein fallender Stein), sondern aktiv gewollt. Aber wir können dies nur innerhalb der Naturgesetze, die Naturgesetze selbst können wir nicht verändern, die sind vorgegeben. Das ist auch gut so, denn es gewährleistet eine gewisse Stabilität, ohne die sich bei ungeordneter Beweglichkeit und Veränderlichkeit vermutlich keinerlei Komplexität aufbauen könnte. Die Wirklichkeit und ihre Wirkungen sind ein geniales Geflecht, sie bringt Einfachheit und höchste Komplexität in lebendiger Wechselwirkung hervor. Ob wir jemals dieses Wunder ausreichend begreifen werden, um darin großmächtig zu wirken, ohne auch großmächtig zu zerstören? Ich möchte hier ein altmodisches Wort für meinen Wunsch verwenden: Staunen und damit Demut vor der Wirklichkeit.
Die Henne- und Ei-Frage – brauchen Rechner zumindest anfangs menschlichen Geist? Zeit, Raum und Einheiten
Rechen-Daten bezeichnen den Anfang (Null) und das Ende (Größenangabe).
Hätten Rechner ohne menschliche Hilfe entstehen können? Wohl kaum – oder durch Zufall – aber es würde vermutlich länger dauern, bis dieser Zufall eintritt, als unser Sonnensystem bestehen würde. Die Grundeinstellungen, mit denen Daten (eingegeben oder gemessen) verarbeitet werden können, müssen Menschen eingeben – will man sich nicht auf den extremst unwahrscheinlichen Zufall verlassen (diese einmal programmierten Informationen kann ein Rechner natürlich selbst kopieren und anderen Rechnern zur Verfügung stellen). Alleine schon das binäre mathematische System muss dem Rechner einprogrammiert werden – und es muss Strom und dazu die Hardware geben.
Im Grunde arbeitet ein Rechner nur mit Zahlengrößen: Objekte und Ereignisse, Töne, Energie, Aussehen, Veränderungen wie Verhaltensweisen und alles andere werden in ihren räumlichen und zeitlichen Ausdehnungen gemessen – auch akustische und optische Signale haben ja Amplituden, die messbar und in Zahlen ausdrückbar sind. Die durch entsprechende Sensoren oder externe Messgeräte gemessenen Daten werden dann nach entsprechenden Vorgaben und beobachteten Wahrscheinlichkeiten zueinander in Verbindung gebracht.
Ort- und Zeitangaben entstehen aber nicht aus sich selbst heraus. Wir könnten zwar Tage zählen, aber kleinere Zeiträume in einem Tag könnten wir ohne Uhren kaum exakter bestimmen. Aber auch Uhren messen nicht von sich aus die Zeit, sondern sie wurden von Menschen konstruiert, indem gleichmäßige, zeitlich immer gleich bleibende Abläufe gezählt wurden (Sonnenstand, Pendelschlag, Uhr-Unruh, atomare Vorgänge bei der Quarzuhr). Um aber nicht immer umständlich die Abläufe zählen zu müssen (die noch dabei bei jeder Uhr anders waren), entwickelte man Einheiten, auf die die Uhren „geeicht“ werden mussten: Stunden, Minuten, Sekunden und inzwischen winzigste Bruchteile von Sekunden. Verschiedenste Uhren zeigen heutzutage sehr exakt gleich Stunden und Minuten (und modernste Uhren auch Sekundenbruchteile) an – egal, ob es eine alte Pendeluhr, eine aufzuziehende Uhr mit Unruh-Feder oder eine Quarzuhr ist, gleich auch, ob es eine analoge oder eine digitale Uhr ist.
In Zeit und Raum befinden wir uns selbst, und die Rechner auch. Und wir kennen kein endgültiges Ende von Raum und Zeit. Aber anders ist es bei externen Objekten, wie z.B. einem Apfel oder einem Staubsauger. Diese Objekte können wir (und die Rechner) von außen sehen. Wir können Äpfel mit unterschiedlicher Größe, Sorte, Aussehen und auch Geschmack (schwieriger für einen Rechner…) betrachten und sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten feststellen. Daraus entsteht ein Bild der Variationsbreite der Apfel-Erscheinung. Ein Rechner kann daraus Grenzwerte ausrechnen, bei welchen Daten sich vermutlich noch um einen Apfel handelt. Er kann auch eine Wahrscheinlichkeit berechnen, wie wahrscheinlich ein zusätzliches Objekt ein Apfel ist (oder ein Staubsauger), je nachdem wie viele Eigenschaften mit einem Apfel übereinstimmen. Je mehr Apfel- Exemplare ein Rechner „sieht“, desto zuverlässiger kann er diese Grenzwerte behaupten („ein Apfel ist nicht viereckig, ist nicht so groß wie eine Wassermelone…“). Allerdings kann es sein, dass er nur einen Ausschnitt der Apfelsorten kennen lernt, also beispielsweise nur rote Äpfel. Er wird dann einen grünen Apfel erst einmal als „mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Nicht-Apfel“ beschreiben. Er wird dann allerdings die „Einheit“ Apfel modifizieren, wenn er aufgrund irgendwelcher Merkmale es doch für sehr wahrscheinlich hält, dass auch das grüne Obst ein Apfel ist.
Die Einheiten mit denen wir modernen Menschen die Zeit und Raum messen, sind von uns Menschen festgelegt. Nach ihnen richten sich auch die Rechner aus. Ein Alien von einem fernen Planeten würde sicherlich andere Zeiteinheiten als wir kennen. Würde eine Materiemasse, die weder das mathematische System kennt, noch die Einheiten von Raum und Zeit, diese von sich aus entdecken und messen können? Um beobachten und berechnen zu können, also um Daten verarbeiten zu können, bräuchte diese Materie erst einmal ein mathematisches System und einen funktionierenden Aufbau, dann müsste sie sich Maßeinheiten für Zeit und Raum erschaffen und dazu Messinstrumente, die die Messungen entsprechend dem mathematischen System mitteilen. Doch wie soll Materie ein mathematisches System entwickeln, wenn die Materie noch keine Messdaten gewinnen kann, was soll das Materie-System verwenden, um Zählen zu lernen und ein Zahlensystem zu entwickeln. Es wären ja noch keine Geräte vorhanden sind, die Daten liefern, mit denen gerechnet werden kann, und es gäbe noch kein System der Daten-Eingabe. Aber ohne mathematisches System könnte die Materie auch keine Daten verstehen. Das wäre wie die Frage: was war zuerst: Henne oder Ei – entsprechend hier: was war zuerst für die Materie zugänglich: Mess-Daten oder mathematisches System? Wir Menschen haben den Rechnern beides zur Verfügung gestellt.
Aber woher kam bei uns Menschen dieses Wissen, das wir Rechnern einprogrammiert haben? Wie lernten wir, dass es Einzeldinge gibt und dass man sie zählen kann? Wie lernten wir, dass es einen Raum und eine Zeit gibt, die wir unterteilen können? Können Materie und Energie alleine das wissen? Steckt im Befolgen der Naturgesetze durch Materie und Energie ein Wissen über Rechenregeln – oder befolgen Materie und Energie nur einfach die Naturgesetze, ohne darum zu wissen?
Hier berühren die Fragen meiner Meinung schon spirituelle Bereiche, auch wenn viele Forscher sich sehr bemühen, alle möglichen Fragen innerweltlich zu erklären und damit die Hoffnung nähren, einmal die ganze Welt „im Griff zu haben“. Ob das eine bessere Welt würde?
Es war eine geistige Herausforderung, Zeit und Raum durch Maß-Einheiten beschreiben zu lernen. Wir leben ja sowohl in Zeit als auch im Raum, können also nicht von außen auf Zeit und Raum blicken, um sie als Zeit und Raum an sich von außen zu untersuchen.
Wir erleben auch Zeit und Raum nicht als von selbst in kleinere, exakt gleichmäßig große Einheiten unterteilt, wir wissen auch nicht ob Zeit und Raum unendliche, endlich oder kreisförmig gekrümmt sind. Dass wir überhaupt uns Zeit und Raum vorstellen können, ist eine erstaunliche geistige Leistung – ich frage mich, ob dies nicht eine Art „göttlicher Funken“ ist, mit dem das Leben seinen Anfang nahm.
Können wir uns Zeit und Raum vorstellen und konnten wir deshalb den Rechnern einprogrammieren, wie sie mit Daten von Zeit und Raum zu rechnen haben (dass sie sich Zeit und Raum vorstellen können, als Ausdehnungen und gefüllt mit unendlich vielen Möglichkeiten, kann ich nicht glauben). Oder ist es nur ein Zufall, dass zuerst das tierische und menschliche Leben entstanden ist und jetzt Rechner programmiert – hätte es auch umgekehrt sein können, dass durch die Evolution Rechner entstanden wären, die irgendwann Leben erzeugen? Ich glaube, dass dies nicht möglich wäre.
Die Frage, wie weit Rechner in der Lage sind „deep learning“ zu entwickeln, also die Welt ohne Vorgaben zu untersuchen und zu begreifen, ist eine spannende Frage. Ich denke, dass sie zumindest ein mathematisches System und Messdaten von außen bekommen müssten. Die Frage ist, was heißt „deep learning“ genau – was wird einprogrammiert, und was entwickelt der Rechner selbst? Angenommen, der Rechner kann bereits rechnen und bekommt auch über Sensoren Daten. Wartet man dann, darauf, dass der Rechner ohne jeglichen weiteren vorhergehenden Befehl die Daten analysiert und bei Veränderungen miteinander verrechnet, oder bekommt er einen ganz „groben“ Befehl: „stelle Berechnungen mit den eingegebenen Daten an“, oder werden konkretere Befehle gegeben, und nur die Art der Berechnung und Verwendung der Daten wird offen gelassen? Und hat der Rechner schon einmal ähnliche Aufgaben zu berechnen gehabt, so dass er eigenständig frühere Befehle auf die neue Situation anwenden könnte? Es wird spannend sein, was deep learning an Selbstständigkeit der Rechner zeigen wird oder nicht zeigen wird.
Wenn ich es aber für unmöglich halte, dass Rechner lebendige Fähigkeiten mit Gefühlen und wirklichem Verstehen der Gefühle und des Daseins entwickeln, so bedeutet das auch, dass dem Leben Eigenschaften inne wohnen, die Rechensystemen fehlen und immer fehlen werden.
Noch einmal: Rechen-Daten, Einheiten, Wörter und Gefühle
Rechen-Daten werden als Zahlen mit Einheiten zusammen ausgedrückt. Damit sind sie – wie schon oben beschrieben – quasi Hohlräume mit Anfangspunkt (Null), unbeschriebener Strecke und Endpunkt (Zahlengröße).
Die Strecke zwischen Anfangs- und Endpunkt kann man zwar durch Graphen darstellen – aber ohne weitere ergänzende Daten für den Graphen gilt die Strecke oder Kurve nur für ungestörte Abläufe oder unveränderte Oberflächen und Räume.
Der Zug der um 16 Uhr in Bahnhof A abfährt und um 18 Uhr in Bahnhof B ankommt, kann die Strecke in einem gleichmäßigen Tempo ganz gerade in Luftlinie gefahren sein. Das ist aber unwahrscheinlich, da die Schienen in Kurven verlegt wurden. So lange ich diese Kurven nicht bei der Länge der Strecke mitberücksichtige, kann ich nicht allzu viel über die Geschwindigkeit sagen. Aber ich weiß auch nicht, ob der Zug vielleicht zwischendurch eine andere als die übliche Strecke gefahren ist, ich weiß nicht, wie oft er gebremst oder beschleunigt hat, und ob er an einem Bahnhof besonders lange warten musste. Die Angabe, dass der Zug für die Strecke 2 Stunden (also genauer gesagt den Zeitraum von Null bis 2 Stunden) gebraucht hat, sagt also relativ wenig über die Ereignisse in der Zeit dazwischen aus. Das gilt im Prinzip für alle Zeitangaben, gleich ob es ich um gigantische astronomischen Zeiträume handelt oder um winzige Mikro-Zeiträume. Gleiches gilt auch für Raum-Daten. Wir kennen die Länge eines Meters, aber wir wissen deshalb noch nicht, was zwischen Anfang und Ende des Meters los ist. So kann ein 1 Kilometer langes Stück Weges über Wiesen oder Sümpfe führen, oder ein Trampelpfad, eine Kiesstraße, eine Teerstraße oder gar eine Autobahn bietet sich in diesem Kilometer zur Fortbewegung an. Auch könnte unklar sein, ob innerhalb dieser Strecke Kurven liegen oder ob sie Luftlinie gemessen wurde.
Was einerseits ein wenig enttäuschend ist, weil Daten als Zahlen immer das Innere des Zahlenraums verbergen (das, was zwischen Null und Endgröße liegt) bedeutet andererseits eine Freiheit. In Gedanken und Modellen kann ich die Zwischenräume zwischen Anfang und Ende der Daten mit allen möglichen Dingen, Veränderungen und Ereignissen füllen. So ist es möglich mit Fantasie (menschlich) oder unterschiedlichen Modellierungen Ereignisse sich vorzustellen oder zu simulieren.
Einheiten engen Zahlen schon auf Zustandsbeschreibungen bestimmter Situationen und Ereignisse ein. Damit werden die Daten und Berechnungen zu Informationen (die Zahlengrößen werden „in einen Zusammenhang hineingeformt“ – In-form-ation). Diese Informationen können Verhältnisse der Wirklichkeit repräsentieren oder einer erfundenen Simulation oder der menschlichen Fantasie dienen.
Jede Größeneinheit bietet die Möglichkeit zumindest gedanklicher oder simulierter Variation und das prinzipiell in unendlicher Vielfalt, da jede Zahl, jeder Raum und jeder Zeit-Raum unendlich oft zerteilt und verkleinert oder auch vergrößert werden kann.
Daten und Information bieten diese Möglichkeit – deshalb kann es auch so viele fake-news und auch Irrtümer geben. Die Wirklichkeit bietet diese Möglichkeit nicht. In ihr sind die Größen festgelegt und existieren zu einem Zeitpunkt in einem Ort genauso, wie sie sind.
Daten und Information gewähren uns also Veränderungsmöglichkeiten der Berechnungen bzw. uns Menschen in der Vorstellung. Mit dem was zwischen Anfang und Ende geschieht sind Berechnungs-Ergebnisse und menschliche Vorstellungen nicht an die Wirklichkeit gekettet.
Was tatsächlich möglich ist, sagen uns in mancher Hinsicht zusätzliche Erfahrungen. Beim Berechnen der Zuggeschwindigkeit könnten wir z.B. die normalen Aufenthaltszeiten auf einer bestimmten Anzahl von Bahnhöfen bekannt sein. Wir könnten diese Haltezeiten von den 2 Stunden Zugfahrt abziehen und wären schon etwas näher an der Wirklichkeit. Aber wir können nie vollkommen alle Ereignisse mit einrechnen, da es um Verzögerungen oder Beschleunigungen in Mikrosekunden durch die unterschiedliche Abnutzung der Gleise kommen kann, so dass die Ankunft dadurch minimal verzögert oder beschleunigt wird. Das interessiert uns normalerweise nicht – aber es zeigt, dass Berechnungen grundsätzlich nie die exakte Wirklichkeit wiedergeben, egal, wie viele Parameter noch berücksichtigt werden. Selbst wenn Raum und Zeit letztendlich nicht kontinuierlichen sondern punktförmig oder sprunghaft existieren sollten (wie manche Wissenschaftler überlegen), selbst dann wären die möglichen Variationen wohl so vielfältig, dass sie nie rechnerisch erfasst werden können, da es dann mehr Rechenkapazität benötigen würde, als das ganze (uns bekannte) Universum zur Verfügung stellen könnte.
Worte sind ähnlich den Daten und der Information: sie beschreiben etwas verkürzt mit den Merkmalen, die uns das Gemeinte erkennen lassen. Aber sie lassen offen, welche Merkmale noch hinzukommen, die das Wort nicht enthält. Worte lassen der Vorstellungskraft noch Freiheit. So weiß ich, wenn jemand sagt: „da liegt ein Apfel“, dass da ein Obst liegt, von gewisser Größe, annähernd kugelrund (keine Birne also), mit kräftiger Schale und Stiel, usw. usw.. Aber der Apfel könnte reif oder unreif sein, besonders groß oder klein, mit Faulstellen oder makellos… Das Wort Apfel gibt also sowohl Anhaltspunkte (Eckdaten), lässt aber auch der Fantasie Freiheit. Möglicherweise sind Zahlen die einzigen Worte, die für Anfang und Ende keine Freiheit lassen, sondern exakt bestimmen.
Daten und Informationen bieten uns also unendlich viel offenen Möglichkeiten-Raum an. Nur ein kleiner Teil der theoretischen Möglichkeiten kann auch in der Wirklichkeit verwirklicht werden, da zuvor verwirklichte Möglichkeiten den Möglichkeiten-Raum einengen. Trotzdem dürfte die Zukunft immer eine an die Unendlichkeit heranreichende Anzahl offener Möglichkeiten bieten, wenn man jegliche Veränderung auf Makro- und Mikro und auch auf gesellschaftlicher, lebendiger Ebene mit dazu nimmt.
Können wir uns das vorstellen? Ich vermute, dass wir es ahnen können. Wir können die Unzahl der Möglichkeiten erahnen, wenn wir weiten Raum erleben oder reichlich Zeit.
Diese Ahnung ist mehr im Bereich des Gefühls anzusiedeln. Gefühle (schon das lang gedehnte Wort wie auch das englische Wort „feelings“ deutet es an), Gefühle – das behaupte ich – sind ausgedehnte Wahrnehmungen, nicht punktuelle Wahrnehmungen. Und mit Gefühlen können wir durchaus auch Zeit-Dauer empfinden oder uns vorstellen oder erinnern.
Große Zeit-Räume oder Raum-Räume empfinden wir entweder als erschreckend oder befreiend.
Wenn wir von einem freudigen oder unangenehmen Ereignis erzählen, erinnern wir uns daran. Die erinnerten Gefühle fühlen die damalige Zeit-Dauer mit. Aber wenn wir das Erinnerte mit Worten beschreiben, wollen wir einerseits nicht die ganze Dauer neu „simulieren“ und beschreiben, sondern wir wollen einen kürzer gefassten Bericht geben, sonst hört uns niemand mehr zu und auch wir verlören zu viel Zeit. Dafür verwenden wir Wörter, Begriffe, die vieles zusammenfassen, einengen und verkürzen – in der Erwartung, dass der Zuhörer die Verkürzung wieder auflöst und das Beschriebene in seiner Ausführlichkeit nachempfinden kann. „Ich bin fürchterlich erschrocken“ – in der Erinnerung kann ich mir vorstellen, wie sich der Schreck in Windeseile in mir ausbreitet, oder wie Angst in mir hoch kriecht, Freude sich in mir ausbreitet, bei Entspannung Spannungen sich langsam in mir lösen, Enttäuschung sich breit macht, Hoffnung aufkeimt, usw.. Diese Beschreibungen zeigen schon, dass diese Gefühle sich entwickeln und eine Dauer haben, und dass ich diese Dauer auch wahrnehme und empfinde. Wenn ich davon erzähle, erzähle ich nicht die Einzelheiten, von den Bildern, die aufstiegen, den Erwartungen die sich entwickelten und den damit verbundenen körperlichen Reaktionen. Es reicht, diese Empfindungen knapp zu beschreiben (in einem Roman liest man es aber durchaus auch mal genauer beschrieben), der Zuhörer kann sich aus der Erinnerung an ähnliche Situationen und Gefühle doch auch so in das Erleben hineinversetzen. Denn Worte sind wie Daten und Information auch Hohlräume, die mit der Erfahrung und der Fantasie des Hörenden oder Lesenden ausgefüllt werden. Allerdings wird das bei jedem ein klein wenig anders aussehen, je nach den eigenen Erfahrungen. Aber normalerweise reicht es, dass sich zwei Menschen über das Vergangene und gefühlt erlebte Ereignis mitteilen können. Die Vorgänge verschiedenster Gefühlsentwicklungen in der Zeit sind uns allen ziemlich bekannt. Und wir spüren in unserem Inneren, wie bei solchen Vorgängen Zeit abläuft und der Vorgang Dauer hat – anders als es wie bei Harari beschrieben ist.
Indem wir uns Zeit-Räume vorstellen und mit Gefühlen füllen können, sind wir auch in der Lage, uns etwas Ersehntes zu wünschen und darauf hin zu handeln oder etwas Schreckliches zu vermeiden suchen. Gefühle erleben wir nicht punktuell sondern Zeit-ausgedehnt, innerlich im Zusammenhang mit Vergangenheit und Zukunft.
Es gibt Momente, in denen wir Dauer besonders stark gefühlsmäßig wahrnehmen. So kann uns die Vorstellung von einem dreiwöchigen Urlaub unter anderem deshalb besonders mit Freude erfüllen, weil wir uns vorstellen, ganz viel freie, unverplante Zeit zu haben, die uns unzählige offene Möglichkeiten anbietet (von denen wir noch gar nicht wissen, wie wir sie nutzen werden).
Unendlichkeit
Bisweilen – so scheint es mir – ahnen wir sogar etwas von der Unendlichkeit von Raum und Zeit. Räumliche Weite erfüllt uns oft mit einem ganz besonderen und glücklichen Gefühl, das ich zumindest teilweise dem spirituellen Bereich zuordnen würde. Beispiele für solche empfundene Weite:
Der Blick von einem Berggipfel in die Weite, über Täler und im Dunst verschwindende Berge, die je weiter desto mehr bläulich aussehen.
Der Klang von entfernten Kirchenglocken, der am Abend durch ein Tal zu hören ist.
Die Weite des Ozeans an einem Sandstrand. Der Sonnenuntergang lässt uns dabei auch noch fühlen, dass die Zeit etwas viel Größeres ist, als das irdische Dasein unseres kurzen Erdenlebens.
Wenn Nebelbänke zwischen Bergen um die Wälder ziehen, dann kann ich etwas Geheimnisvolles spüren, fühle, dass Raum und Zeit uns teilweise verhüllt sind und ich doch eins mit ihnen bin.
Wenn ich über den Wolken bin und in ein blendendes Weiß der Weite schaue.
Wenn ich die sich wiederholenden, fast aber nicht ganz gleichmäßigen Wellen am Meeresstrand sehe und höre, dann fühle ich eine Dauer, die weit über mein kleines Dasein hinaus reicht.
Blicke ich (außerhalb von städtischem Licht) in einen mit Sternen übersäten Himmel, so fühle ich in mir eine Weite von Zeit und Raum, die mich staunend ganz demütig werden lässt.
Die Weite des blauen Himmels nach mehreren Regentagen erfüllt mich mit Freude und Leichtigkeit, als wäre ich von einer Einengung befreit.
Weite von Raum und Zeit sind mehr als nur Fakten. Sie sind offene Möglichkeiten für das Spiel des Daseins und des Lebens. Und auch, wenn uns da etwas „anweht“, was wir nicht mehr mit Worten ganz fassen können, wir können es erlebend fühlen und ahnen.
Zahlen sind grundsätzlich immer von unten (Null) und oben begrenzt, sie beschreiben immer den (Hohlraum-Abstand) zwischen Beginn und Ende. Daher können Zahlen nie die Unendlichkeit bezeichnen, dann wären sie „oben“ offen, würden kein Ende bezeichnen und da sie ja auch das Innere nicht benennen, hätten sie keine Aussage und es könnte keine Verbindung mit der Wirklichkeit gezogen werden. Das Innere einer Zahl ist ein Hohlraum oder eine „Blackbox“ – würde man das Innere ins Unendliche ausdehnen, wäre die einzig vorhandene Angabe, die der Größe, nicht mehr fassbar. Das Gleiche gilt für das unendlich Kleine, die „Null“, sie ist in der Wirklichkeit nur eine Aussage für „nicht vorhanden“: es ist keine Größe oder Ausdehnung vorhanden, kein Möglichkeitenraum, keine Strecke zwischen Anfang und Ende.
Es gibt in der Mathematik allerdings Variable, wie „x“ oder „y“, die für alle nur denkbaren Zahlen bis nahezu ins Unendliche stehen können. Aber für die „Zahl der Unendlichkeit“ selbst können sie nicht stehen, denn das müsste eine Zahl sein, die in Ziffern ausgeschrieben (egal in welchem numerischen System) wiederum unendlich lang wäre – es würde nicht reichen, wenn diese Zahl aus einem Strang von Ziffern bestünde, der bis zur weit entferntesten Galaxie reichen würde – denn es gäbe immer noch „x+1“, also eine noch größere Zahl. Die Unendlichkeit ist für Zahlen unerreichbar. Es gibt aber das mathematische „Unendlichkeits-Symbol“, aber auch dieses Symbol kann nur andeuten, dass es hier gegen Unendlich geht, aber es kann nicht die Unendlichkeit selbst benennen. Es gibt Funktionen, bei denen die Kurve beispielsweise steil nach oben weist, und nicht zu erwarten ist, dass sie wieder nach unten geht – da kann man – so denke ich (Mathematiker mögen mich korrigieren) sagen, die Kurve geht gegen „Unendlich“. Aber sobald dieses Entwicklung, die gegen Unendlich geht, mit der Wirklichkeit auf unserer kleinen Erdenwelt verbunden wird, ist Alarm angesagt, denn alles was unendlich zunimmt, würde in Zukunft unsere Lebenswelt zerstören.
In der Unendlichkeit auf Zahlenbasis verlieren sich die möglichen Aussagen.
Aber wir, die wir in der Wirklichkeit leben, fragen uns, ob unsere Welt endlich oder unendlich sein mag. Doch wie auch die Antwort ausfallen mag, unsere wahrnehmbare Umgebung ist einmalig und wirk-lich, das heißt, in der Wirklichkeit geschehen Wirkungen, die einmalig in Ort und Zeit sind und möglicherweise eindeutig in der Unendlichkeit aufgehoben – ist das nicht ein spannendes Paradox?
Die Unendlichkeit der Wirklichkeit in Raum und Zeit lassen sich vermutlich niemals beweisen und niemals widerlegen. Aber ich kann Unendlichkeit ahnen – ob sie in unserer Welt existiert oder in einer anderen oder gar in einer „jenseitigen“ lässt sich vielleicht nicht unterscheiden. Aber diese Ahnung der Weite vermittelt mir ein Gefühl von „gehaltener Freiheit“, das heißt von einer Freiheit, die grenzenlos ist, und in der ich mich doch nicht verloren fühle sondern gut aufgehoben. Das kann mein Leben verändern, für eine kleine Weile oder für mein ganze Leben.
Wie dem auch sei – ich bin überzeugt, dass es kurzsichtig ist, unser Dasein und die Welt überwiegend aus dem Blick auf die vervielfältigbaren Informationen und kaum mehr aus der Schau auf die Einmaligkeit der Wirklichkeit zu betrachten.
06.08.2025
