Spiritualität
Aktuelle Vorbemerkung
Ich hatte hier eine Weile einen längeren Text zum Thema Spiritualität im Untermenü stehen, den ich wieder herausgenommen habe. Spiritualität ist ein sehr anspruchsvolles Thema. Ich bin mir nicht mehr so sicher, ob ich diesem Thema mit dem alten Text auch gerecht geworden bin. Ich bin derzeit am Überlegen, ob ich den Text für immer weg lasse, oder ob ich ihn langsam, Schritt für Schritt überarbeite und die einzelnen Themen dann nach und nach neu veröffentliche. Die Einleitung ist der Text von früher geblieben, und sie steht weiter hier.
Ich beschäftige mich derzeit viel mit der orthodoxen christlichen Kirche und dies bringt mir viele neue Erkenntnisse, Zusammenhänge und auch erweitertes Verstehen. Daher halte ich es für nötig, den alten Text noch einmal zu überdenken.
Einleitung
Was bedeutet Spiritualität, was bedeuten Religionen, was mystische Erfahrung in unserer heutigen wissenschaftlich geprägten Zeit? Wird nicht alles bald berechenbar und in seinen Zusammenhängen verstehbar sein? Oder gibt es noch Dinge, die geheimnisvoll bleiben, und die nicht nur eine kleine Rolle am Rande des Weltgeschehens spielen, sondern die ganz wesentlich sein können? Sind vielleicht sogar die Antworten zu den tiefsten Fragen unseres Daseins nur im Bereich des Geheimnisvollen zu ahnen?
Gott oder das Licht der buddhistischen Erleuchtung und so manches Andere aus den unterschiedlichen Religionen ist nicht mehr wirklich mit Worten beschreibbar. Worte engen ein, grenzen ab: etwas ist so, und es ist nicht sein Gegenteil oder eine Variation seiner selbst. Ein Stuhl steht zwar nahe am Tisch, ist aber nicht selbst der Tisch – das beschreiben die Worte „Tisch“ und „Stuhl“, ohne dass man es extra dazu sagen müsste. Denn die Worte „Tisch“ und „Stuhl“ tragen in sich schon die Abgrenzung, die Tisch und Stuhl unverwechselbar als solche erkennbar und damit beschreibbar machen.
Religionen, Mystik und Spiritualität reichen mit ihren Erfahrungen aber über das Eingegrenzte hinaus. Sie weiten – wenn sie nicht zu eng dogmatisiert wurden – und reichen in eine Offenheit hinein, die mit Worten nicht mehr beschrieben werden kann. Worte können diese Offenheit nur bildhaft (und damit schon wieder leicht missverständlich eingrenzend) umschreiben. Worte können auch die Wirkungen, also die sichtbaren Folgen von spirituellen Erfahrungen beschreiben. Aber eine spirituelle Erfahrung selbst ist nicht mehr in Worten zu fassen – aber dennoch ist diese Offenheit jenseits der Worte möglich und geistig und sogar auch im Herzen erfahrbar.
Oder sind auch spirituelle Erfahrungen nur Berechnungen des Gehirns, ausgelöst von Nervenreizen und Botenstoffen, eingeordnet als Information in ein riesiges, hoch entwickeltes Informationssystem? Ist unsere Welt durch und durch berechenbar, und alles Spirituelle entsteht nur aus dem Wunschdenken und der Fantasie der Menschen? Oder ist unsere Welt ein riesiger Zufall – unwahrscheinlich aber eben doch möglich – und die Religionen schützen uns vor dem Erschrecken vor dieser Erkenntnis, weil diese Erkenntnis eigentlich erst einmal unerträglich scheint?
Oder gibt es vielleicht doch eine spirituell wahrnehmbare Ebene, die sich unserer Wissenschaftlichkeit, der genauen Beschreibbarkeit und Berechenbarkeit entzieht, die nicht durch Information fassbar ist, und die auch nicht rein zufällig ist? Eine Ebene, die wir erfahren können, und die uns einen tieferen Sinn erkennen lässt? Erkennen wir mit der Spiritualität einen Sinn, der sich weder im reinen Zufall noch in reinen Berechnungen und hochkomplexen Informationen erkennen lässt? Öffnet uns die Spiritualität eine Ebene, die aus einem ganz anderen Wahrnehmungs-Bereich kommt?
Ich möchte hier versuchen, aus logischer Sicht aufzuzeigen, warum einerseits eben nicht alles berechenbar und wissenschaftlich begreifbar ist, und andererseits, warum die Annahme von etwas Göttlichem nicht naiv ist – die Annahme und Erfahrung von einem göttlichen Licht, das in Allem steckt, es übersteigt und doch in enger Beziehung zu unserem Dasein und zu uns steht.
Ich werde nicht versuchen, das Göttliche und sein lebendiges Licht über das in den Religionen Gesagte hinaus zu beschreiben. Mein Anliegen ist es vielmehr „Offene Fenster des Geheimnisvollen“ aufzuzeigen: das heißt Bereiche in unserem Dasein zu benennen, die nicht mehr wissenschaftlich ganz durchdrungen werden können.
Meine Religion ist das Christentum – doch grundsätzliche Aussagen über das „Unsagbare“ bewegen sich in vielen Religionen in eine ähnliche Richtung. Vielleicht könnte man verkürzt sagen: Religionen verweisen auf das Un-Sagbare, zeigen aber zugleich Wege, dieses Un-Sagbare dennoch ahnend in seiner Größe, Weite und Offenheit zu er-Leben, Wege das alles Übersteigende in uns als zutiefst Vertrautes zu spüren. Daher dürften die von mir hier verfassten Texte auch vielfach allgemeiner, und nicht nur für das Christentum, gelten. Die Texte beschäftigen sich ja auch weniger direkt mit dem Göttlichen (und jede festlegende Einengung des Un-Sagbaren soll hier vermieden werden). Die Texte hier suchen nach Freiräumen für göttliches Wirken in unserer Welt. Denn manche wissenschaftlichen und philosophischen Strömungen meinen, diese Freiräume mit wissenschaftlicher Analyse „wegräumen“ zu können. Ich halte das für unmöglich.
Es wird nie wissenschaftlich oder philosophisch beweisbar sein, dass es göttliches Licht gibt, dass es eine anhaltende Beziehung zwischen dem göttlichen Licht und unserer Welt und unserem Geist gibt. Es wird nie sachlich beweisbar sein, dass es eine Offenheit und Weite gibt, die unser Geist nur noch ahnen und nicht mit Worten beschreiben kann, und dass möglicherweise der Urkraft von Allem ein göttlicher Geist, ein göttliches liebendes Wollen ist. Aber es wird genauso wenig nie wissenschaftlich oder philosophisch beweisbar sein, dass es dieses göttliche Licht nicht geben soll. Und einige Punkte, warum ein solcher Beweis niemals funktionieren kann, möchte ich hier aufzeigen.
Wie oben beschrieben, habe ich den Text, den ich entworfen hatte, wieder heraus genommen. Ich werde ihn erst nach und nach neu überarbeiten und wieder hier hier veröffentlichen (in einem Untermenü-Punkt), sofern ich mich in der Lage fühle, diesem sehr anspruchsvollen Thema gerecht zu werden – was für mich noch offen ist.
