Information als anwendbare „Wiederholbarkeit“

Information braucht Wiederholbarkeit – ohne Wiederholbarkeit keine Information

Kurze Quintessenz des Artikels: Einmaliges und ebenso Spirituelles Erleben sind durch sachliche Information nicht fassbar. Das legt nahe, dass unsere Welt nicht nur Information ist – so wie es aber manche Weltanschauungen zu vermitteln scheinen – sondern dass die Wirklichkeit mehr ist als reine Information. Gefühle sind durch Information in Teilaspekten beschreibbar, aber nicht in ihrer Tiefe. Gefühle sind nur durch Erleben wirklich verstehbar.

Information braucht Wiederholbarkeit – was bedeutet das?

Ein Zeichen (z.B. ein Buchstabe, ein Bit, ein Kuchenförmchen im Sandkasten) ist noch keine Information. Diese Dinge werden erst zu einer Information, indem sie als Ausdruck einer Bedeutung erkannt werden. Ein Buchstabe ist ansonsten nur Tinte oder Pixel auf einer Fläche, ein Bit ist einfach ein Stromfluss, ein Kuchenförmchen ist einfach eine Plastikform, die auf den Sand drückt.

Damit ein Zeichen als solches erkannt wird, muss es jemanden oder eine Maschine geben, die das Zeichen als solches feststellen und einordnen kann. Das aber bedeutet, dass dieses Zeichen schon einmal aufgetaucht ist und daher entweder einem Lebewesen oder einer Maschine schon bekannt ist. Dies ist aber nur möglich, wenn das Zeichen – und damit auch das, was es bezeichnet – schon einmal vorhanden war und als solches im Gedächtnis oder auf einem technischen Speichermedium abgespeichert wurde und wieder erkannt (und bestimmten Bedingungen zugeordnet) werden kann.

Und das bedeutet: alles was als Information wahrgenommen oder eingesetzt (Computer, Roboter) werden kann, muss schon irgendwie einmal vorliegen und erkannt worden sein. Dabei kann es sich um eine räumliche, eine zeitliche oder eine abstrahierte (z.B. Zahlen) Wiederholung handeln.

Ohne diese Rückbeziehung auf etwas schon einmal Erkanntes und in Beziehung Gesetztes kann es keine Information geben.

Natürlich kann ich (oder ein Rechner) ganz neue, einmalige Situationen beschreiben – aber ich kann nur über Elemente informieren, die der Zuhörer (Leser, Rechner) schon einmal erkannt und zugeordnet hat. So kann ich einen Mann als blond, groß, sympathisch, westlich gekleidet usw. beschreiben. Wobei die Information „sympathisch“ schon sehr unterschiedlich aufgenommen werden kann. Aber für alle Elemente der Beschreibung gilt, dass derjenige, der informiert wird, sich schon lange ein Bild darüber gemacht hat, wann eine Person ein Mann, groß, westlich gekleidet und auch sympathisch ist. Seine Vorstellungskraft setzt nun aus Einzelelementen der Beschreibung ein Bild zusammen. Aber alle Elemente, über die er informiert wurde, sind schon real oder vorstellbar einmal vorhanden gewesen und von ihm wahrgenommen und mit den Eigenschaftswörtern verbunden worden.

Die minimalste Wiederholung ist, dass etwas gesehen/gehört/erdacht wird und dann mit einem Signal/Zeichen verbunden wird. Durch diese Verbindung entsteht eine virtuelle Doppelung des Gesehenen/Gehörten oder Erdachten. Es ergibt sich eine erinnerbare und abrufbare Verbindung zwischen gesehener/gehörter/erdachter Wirklichkeit. Diese Erinnerung ist eine Art abgespeicherter Verdoppelung. Sie kann eine Information für mich sein, zeitlich versetzt. Wenn ich vor Jahren in einer Stadt war, kann mir die Erinnerung zu einer Hilfe werden, um mich in den Straßen zurecht zu finden. Dann gleiche ich das Bild meiner Erinnerung mit dem heutigen Straßenbild ab. Das heißt, ich wende die virtuelle Erinnerung auf die gleiche (oder auch etwas veränderte) Wirklichkeit als Information an.

Einem Rechner wird das Verarbeitungsmuster von Maßen (Zahlen mit die Berechnung steuernden Einheiten) einprogrammiert – sodann kann er mit gemessene Daten entsprechend der wirklichen Verhältnisse virtuell miteinander verrechnen und das Rechenergebnis in einer räumlich oder zeitlich versetzten Wirklichkeit über Ausgabegeräte anwenden. Aber auch hierfür muss es die ursprüngliche gemessene Wirklichkeit geben, die Wiederholung der Größen-Verhältnisse in Berechnungen und die Anwendung in einer Wirklichkeit, die diesen anfänglich entsprechenden Verhältnissen in den entscheidenden Punkten ähnlich ist.

Ein praktisches Beispiel: ein autonom fahrendes Auto. Zuerst müssen grundlegende Verhältnisse, die sich immer wiederholen als Rechenprogramm dem Computer (KI) einprogrammiert werden (Weggrößen wie km, Zeitgrößen wie Minute, Stunde und die Berechnung von Geschwindigkeit aus Weg und Zeit. Der Programmierer muss aber dem Rechner Symbole (Bits und Rechenvorgänge) so einprogrammieren können, dass das Ergebnis in der Wirklichkeit eine sinnvoll anwendbare Information ergibt. Dies ist aber nur möglich, weil Menschen bereits begonnen haben, die Wirklichkeit zu beobachten und wiederholt anwendbare Maßeinheiten und Formeln für ihre Verrechnung gefunden haben. Es müssen also Weg und Zeit und ihre Maßeinheiten schon einmal wahrgenommen und durch Zahlen verschlüsselt worden sein. Und die sich ergebende Information ist nur in einer Umgebung anwendbar, in der Weggrößen und Zeitgrößen mit den gleichen Grund-Einheiten (die natürlich umrechenbar aber dennoch fest sind) gemessen und vorhanden sind.

Ein Sandförmchen für Kinder aus Plastik ist erst einmal für sich genommen nur eine Gestalt aus Plastik. Erst wenn das Kind die Sandformen, die das negativ-hohle Sandförmchen bildet, als Kuchenform erkennt, wird es sagen können: „ich backe jetzt mit dem Förmchen Kuchen“. Dafür muss das Kind aber zuvor ähnlich geformte Kuchen gesehen und den Namen „Kuchen“ damit verbunden haben. Oder es ist die Mutter, die solche Kuchenformen schon kennt und dem Kind mitteilt, dass es jetzt „Kuchen bäckt“.

Überall, wo Information stattfindet, muss es ein „Original“ geben, das mit einem Zeichen (Wort, Bits, usw.) verbunden wird und dann entweder in einem Gehirn (Erinnerung, Vorstellung), einem Rechner (Rechenprogramm) oder über ein Gerät mit der Wirklichkeit entsprechende Beziehung gebracht wird. Die Information ist nur dann sinnvoll anwendbar, wenn die neue Wirklichkeit in den entscheidenden Punkten der Original-Wirklichkeit entspricht. Würde ich z.B. sagen: „der Baum ist 5 Minuten hoch“, dann wäre das eine absurde Information. Entweder müsste es heißen, der Baum ist 5 Meter hoch, oder 5 Jahre alt. „5 Minuten hoch“ ist keine verstehbare Information, da sie mit den Erfahrungen, die wir mit der Wirklichkeit (hier Zeit und Raum und Bäume) gemacht haben, nicht übereinstimmt.

Eine sinnvolle Information muss immer ein „Original“ in der Wirklichkeit haben (das auch in seiner Zusammensetzung abstrakt sein mag oder aus der Fantasie kommen kann – aber die aufbauenden Grundelemente müssen in der Wirklichkeit einmal erkannt und verbindlich festgelegt worden sein). Und die Information ist eine Sprache, die eine Aussage über dieses Original übertragen kann (z.B. 1 Meter, 1 Tag, die Farbe blau, ein hoher Ton, usw.). Durch diese Information kann nun ein Lebewesen oder ein Rechner eine neue Wirklichkeit (also eine sich wiederholende Wirklichkeit – in Zeit oder Raum oder Bedeutung) besser verstehen, einordnen und steuern – weil sich die Verhältnisse wiederholen, weil die Verhältnisse die gleichen wie beim Original sind.

Nun gibt es etliche Wissenschaftler, die die Welt aus Informationen bestehend ansehen. Das wäre vielleicht richtig, wenn ich jede Wirkung als eine Information über die unveränderlichen Naturgesetze verstehe. Das Wiederholbare wären die Naturgesetze, die berechenbar über alle Zeit und allen Raum überall gelten. Man könnte so sagen, ein Stein, der nach unten fällt, befolgt die Gesetze der Schwerkraft. Ist die Schwerkraft dann eine Information für den Stein? Oder ist es nur der Zwang des Naturgesetzes, ein gesetzmäßiger Zwang, den der Stein aber nicht als Information einer Gesetzmäßigkeit wiedererkennt? Könnte ein Stein sich aktiv bewegen, könnte er dann die Information des Naturgesetzes als Erkenntnis später aktiv anwenden?

Eine Rechenmaschine kann durch die Naturgesetzlichkeit des Elektronenflusses tatsächlich sich aktiv bewegen (Roboter, autonome Autos). Aber erkennt sie die Gesetzmäßigkeit des sie steuernden Elektronenflusses und könnte sie auch selbstständig – ohne Vorprogrammierung von Einheiten wie Raum und Zeit und anderen Einheiten erkennen und in eine lesbare und verwertbare Information für eine neue Wirklichkeit (z.B. beim Autofahren) umwandeln? Oder ist hier die vorausgehende Erkenntnis von Naturgesetzen und ihrer Wechselwirkungen durch den Menschen notwendig? Könnte eine Maschine aus sich selbst heraus (ohne Vorprogrammierung) Maßeinheiten wie Meter und Minute erkennen und den Sinn von Messungen und Verrechnungen für die Anwendbarkeit in der Wirklichkeit verstehen? Ich lasse die Antwort hier offen.

Ist Information über Einmaliges möglich?

Gibt es nicht auch die Möglichkeit, über Einmaliges, sich nicht Wiederholendes zu informieren?

Ich behaupte, das gibt es nicht. Natürlich informieren wir ständig über einmalige Vorgänge. So erzählt mir jemand über seinen Urlaub, den er natürlich vorher auf diese Weise nicht gemacht hat. Aber die Erzähl-Elemente informieren über Bekanntes. Alle Wörter und Begriffe, die er verwendet, bilden in meinem Kopf ein Abbild aus mir bekannten Elementen: „Meer“, „nette Leute“, „gutes Essen“, „viel Regen“, usw., usw.

Was aber wäre, wenn ich etwas erlebe, das andere noch nie so erlebt haben? Es ist bekannt, dass Blinde, die durch eine Operation sehen können, anfangs ganz verwirrt sind und mit dem Gesehenen erst einmal nichts anfangen können, obwohl sie bestimmt schon viele Beschreibungen der optischen Welt gehört haben mögen. Aber die Sinneseindrücke sind ihnen völlig fremd und neu – erst langsam können sie sie einordnen und mit eigenen Erfahrungen, Erinnerungen und auch mit Gehörtem verbinden.

Wenn ich aber nun als Sehende plötzlich noch eine Farbe zusätzlich sehen kann, die noch nie ein Mensch beschrieben und gesehen hat. Könnte ich darüber informieren? Ich könnte nur sagen, dass es eine völlig neue Farbe ist, unvergleichbar mit allen anderen Farben, die ich vorher gesehen habe. Ich könnte niemanden klar machen, was ich sehe. Es ist nicht möglich, wenn nicht zuvor eine gemeinsame Erfahrungsbasis besteht.

Bei tiefgreifenden spirituellen Erlebnissen scheint dies teilweise der Fall zu sein. Diejenigen, die so etwas erleben, sind außer Stand zu beschreiben, was sie wirklich erlebt haben. Sie greifen zu Bildern, die ihnen ähnlich erscheinen und müssen dann doch wieder zugeben, dass sie dem Erlebten nicht wirklich entsprechen. Auch bei Nahtoderlebnissen beschreiben manche solche Erfahrungen, die nicht mehr informativ mitgeteilt werden können.

Sind das Illusionen, gibt es nichts, das nicht mitteilbar wäre? Oder gibt es doch Ebenen des Daseins, die nicht mehr beschreibbar sind?

Schlüssel und Schloss: ist Information ohne passendes Umfeld für eine Anwendung (=Wiederholung einer Situation zu anderer Zeit oder an anderem Ort) überhaupt eine Information?

Vielleicht kann man Information symbolisch in ihrer Funktion auch mit Schlüssel und Schloss vergleichen.

Ein Schlüssel wird zum Schloss passend geformt. Das Schloss ist dabei während der Formgebung die Original-Situation.

Eine Information wird durch Zeichen so ver-schlüsselt (!), dass das Zeichen einen Wirkungs-Zusammenhang in der Original-Situation beschreibt.

Wird der Schlüssel in das Schloss gesteckt (oder ein digitaler Code eingegeben), wiederholt sich die Beziehung des Schlüssels zum Schloss und durch Drehung kann das Schloss geöffnet werden. Dazu ist es aber notwendig, dass der Schlüsselbesitzer weiß, dass er einen Schlüssel in der Hand hält und zu welchem Schloss der Schlüssel gehört. Die Öffnung des Schlosses kann vielfach wiederholt werden: solange das Schloss (die entsprechend Umgebung und Situation) besteht und der Anwender um die Funktion des Schlüssels weiß.

Wird eine Information wissentlich genutzt (also so wie der Schlüsselbesitzer mit dem Wissen um die Schlüsselfunktion den Schlüssel ins Schloss steckt und dreht), so kann damit ein Effekt ausgelöst werden. Ein durch Beobachtung erkannter und zu Information verschlüsselter Zusammenhang kann nun bewusst wiederholt eingesetzt werden.

Der Schlüssel bekommt seine Schlüssel-Funktion durch das Schloss und das Wissen, die zusammen eine wiederholte Anwendung des Schlüssels ermöglichen.

Eine Information informiert in verschlüsselter Weise über einen Funktions-Zusammenhang oder auch nur über einen bestehenden, also sich in der Zeit „wiederholenden“ Zustand. Funktion und Zustand sind dabei zeitlich zumindest eine Weile stabil, so dass diese Information dazu dienen kann, eine bestimmte Wirkung durch die Kenntnis der Funktions-Zusammenhangs wiederholt auszulösen.

Wenn aber etwas einmalig ist (das hieße z.B. im oben genannten Bild, dass das Schloss nur einen Moment lang besteht und nach Herstellung des Schlüssels zerstört wird) oder unbekannt (der Besitzer des Schlüssels kennt die Funktion eines Schlüssels nicht, oder weiß nicht, wo das passende Schloss zu finden ist), ist dann Information ohne Wiederholungs-Möglichkeit überhaupt eine Information?

Wenn ein Kleinkind – wie sie es so gerne machen – ein eigenes Wort für einen Gegenstand erfindet, so kann erst einmal nur das Kind selber für sich das Wort wiederholt anwenden, für sein Umfeld aber ist das Wort keine Information, die etwas wiederholt Erkennbares bezeichnet. Wenn aber das Kind auf etwas deutet und das von ihm erfundene Wort ausspricht (also ausgesprochen für andere wahrnehmbar wiederholt), dann kann z.B. die Mutter erkennen, was ihr Kind mit den geäußerten Lauten bezeichnen will. Die Mutter wird vielleicht dann auch auf den Gegenstand deuten und versuchen die Laute des Kindes zu wiederholen, um vom Kind bestätigt zu bekommen, dass dies der mit den kindlichen Lauten gemeinte Gegenstand ist.

Information – so meine Sichtweise – muss sich durch Wiederholung verifizieren lassen. Dass etwas so ist, wie es ist, vielleicht einmalig oder auch von unbemerkt, ist aus meiner Sicht keine Information. Daher kann ich nicht ganz nachvollziehen, dass heute teilweise die Weltanschauung sich verbreitet, dass unsere Welt aus Information besteht.

Ich kann verstehen, dass man denken kann, alles ist durch die festen und immer wieder sich wiederholt auswirkenden Naturgesetze bewirkt. Aber ist deswegen alles Information? Muss Information nicht gezielt anwendbar sein? Sind Naturgesetze gezielte Information? Sind Naturgesetze Schlüssel, die unsere Welt hervorbringen? Sie bewirken auf jeden Fall Wiederholbarkeit der Wirkung. Aber sie bewirken es selbst, sie sind quasi selbst Schlüssel und Schloss. Da gibt es keine „Verschlüsselung“, die zwischen Original-Situation und Wirkung dazwischen geschaltet ist. Es gibt keine Information, die abgelesen und angewendet wird. Es ist kein naturwissenschaftlich nachweisbares Bewusstsein im Wirken der Naturkräfte nachweisbar. Sie wirken einfach „vor sich hin“.

Oder gibt es doch einen bewussten Geist, der die Naturgesetze geschaffen und eingerichtet hat? Ist alles Zufall, ist unsere Welt eine Möglichkeit von unzählbaren Möglichkeiten, die – einfach weil sie möglich ist – zur Wirklichkeit geworden ist? Aber ich habe den Eindruck, dass gerade die Wissenschaftler, die die These vertreten, die Welt bestehe im Grunde aus Information, gleichzeitig der Ansicht sind, unsere Welt sei als zufällige Möglichkeit entstanden. Das empfinde ich als Widerspruch.

Für mich entsteht Information, indem wir sich wiederholende Gesetzmäßigkeiten (oder Zustände) erkennen und diese gedanklich wiederholen (Erinnerung) oder auch praktisch anwenden. Den Computern haben wir mit unserem Erkennen von Gesetzmäßigkeiten und ihrem Wirken und mit Hilfe von Messinstrumenten die Fähigkeit gegeben, Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und deren Ergebnisse für bestimmte Aufgaben auch anzuwenden. Ohne unsere initiierende, in Gang setzende Programmierung hätten sich Computer vermutlich nie entwickelt, da die Naturgesetze zwar sich ständig in ihrer Wirkung wiederholen, sie aber technisch naturwissenschaftlich gesehen aber kein weiteres Ziel haben, als ihre Wirkung beständig auszuüben. Dass Rechner, besonders mit KI, heute Ziele haben, ist durch uns Menschen und den menschlichen Geist entstanden, der die Naturgesetze mehr und mehr erkennt und für seine Ziele einsetzt.

Wissenschaftlich werden wir nie entscheiden können, ob unsere Welt nur eine zufällige Möglichkeit ist (und es alleine uns angeht, was wir daraus machen), oder ob sie von einer höheren Ebene aus, aus göttlichem Willen so geworden ist, wie sie ist und damit auch die Naturgesetze einem göttlichen Bewusstsein entspringen.

Überprüfbare und willentlich anwendbare Information, zumindest wie wir Menschen sie kennen, versagt in einmaligen und in spirituellen Bereichen, vielleicht auch im Bereich der Gefühle und besonders in der Liebe.

Im absolut einmaligen Bereich versagt die Information, weil es niemanden und nichts gibt, der oder das versteht, was vorgefallen ist oder erlebt wurde, weil es keine gemeinsamen Worte oder Symbole dafür geben kann.

Im spirituellen Bereich versagt die sachlich eindeutige Information, weil es sich um ein Erleben handelt, unsere „normale“ Welterfahrung übersteigt und nicht mehr mit Begriffen exakt beschrieben werden kann, die aus unserer Welt stammen. Nur wer ähnliche Erfahrungen in seinem Inneren gemacht hat, kann die Erzählungen anderer über ihre spirituellen Erlebnisse zumindest teilweise nachempfinden. Hier gibt es zwar Information, aber sie ist nicht mehr im naturwissenschaftlichen Bereich verifizierbar, sie ist ein Schlüssel für ein Schloss, das nicht auf naturwissenschaftlicher Ebene und ihren Gesetzmäßigkeiten zu finden ist.

Gefühle und Information: Es gibt mehrere Gründe, warum über Gefühle nur bedingt informiert werden kann.

Die Vielfalt der Einflüsse aus der Vergangenheit, die ein Erleben und die damit verbundenen Gefühle formen:

Die Vielfalt der Einflüsse wird leicht unterschätzt. Das fängt bei genetischen Neigungen an (teils schon bei unseren tierischen Vorfahren angelegt), geht über geschichtliche und kulturelle Erfahrungen und Tradierungen von Jahrtausenden zu unseren nahen Vorfahren und Eltern, bis hin zur eigenen Lebensgeschichte, eigenen Erfahrungen, eigenem Umfeld. Dieses Zusammenwirken all dieser unzähligen Einflüsse bewirkt, dass wohl jeder Mensch das Leben ein wenig anders erlebt und das Erleben auf ganz eigene Weise fühlt. Die großen Züge gleichen sich bei den meisten Menschen, aber sie sind doch individuell gefärbt und vermutlich bei niemanden völlig gleich. Die Worte, Gesten, Mimik jedoch, die uns für die Mitteilung von Gefühlen zur Verfügung stehen, sind begrenzt, also immer ein wenig ungenau.

Einmaligkeit der aktuellen Situation, in der ein Gefühl erlebt wird:

Sind schon die im voraus gegebenen Voraussetzungen so unglaublich unterschiedlich und nur im Groben übertragbar, so ist die jeweils einmalige Situation, die bei einem individuellen Menschen Gefühle auslöst, noch differenzierter. Wenn jemand erzählt, der Strandurlaub war wunderbar, so ist sein Urlaub zwar sicher in etlichen Punkten einem „allgemeinen“ Strandurlaub vergleichbar, aber in tausenden oder unzähligen kleinen Unterschieden doch ganz einmalig. Er ist sogar einmalig zu einem anderen Strandurlaub der gleichen Person am gleichen Strand aber in einem anderen Jahr. Erlebt eine Person eine Situation, so fließen hier sowohl die genetischen, geschichtlichen und kulturellen Vorbedingungen als auch die ganz persönliche Lebensgeschichte in das Erleben mit ein. Der Strandurlaub wird allein schon im Zusammenhang mit diese persönlich-individuelle Ausgangssituation jedes Jahr ein wenig anders erlebt. Aber auch die umgebenden Personen, das Wetter, die körperliche Verfassung, usw. sind in jedem Urlaub, ja an jedem Tag anders. Und zusammen mit Voraussetzungen der Vergangenheit und den Erwartungen für die Zukunft (z.B. Hoffnungen, am Strand der großen Liebe zu begegnen…) ergibt sich ein ganz persönlich einmaliges Erleben und Fühlen. In die Gefühle fließen die Zeiträume der Evolution, der kulturellen Formung und des persönlichen Erlebens immer mit ein. Im unbewussten Hintergrund schwingt so vieles beim gefühlten Erleben mit, dass sich zwar einzelne Elemente herauskristallisieren lassen (z.B.: „der Kuchen erinnert mich an meine Kindheit und den Kuchen meiner Oma“), die Gesamtheit aber nie vollkommen erfasst werden kann.

Die nicht exakte Erfassbarkeit von Gefühlen in Begriffen oder Gesten:

Die großen Züge des gefühlten Erlebens gleichen sich bei den meisten Menschen, aber sie sind doch individuell gefärbt und vermutlich bei niemanden völlig gleich. Die Worte, Gesten, Mimik jedoch, die uns für die Mitteilung von Gefühlen zur Verfügung stehen, sind begrenzt, also immer ein wenig ungenau. Trotzdem können wir, wenn wir sensibel sind, die Gefühle anderer Menschen – vor allem wenn sie sehr stark sind – mitfühlen oder miterleben. Dies kann auf der Grundlage geschehen, dass wir schon Ähnliches selbst erlebt haben, oder weil wir möglicherweise eine innere Verbindung zum anderen haben, durch die wortlos Gefühle übertragen und verstanden werden können. Dies exakt nachzuweisen ist aber nahezu unmöglich. Hierbei geht es vielleicht gar nicht mehr um „Wiederholbarkeit“ in der eine Person das Erleben einer anderen Person in sich wie ein „Echo“ wiederholt, sondern es ist vielleicht sogar eine Art gemeinsames, nicht mehr getrenntes Erleben vorhanden. Doch auch dies ist kaum wissenschaftlich exakt zu beschreiben oder zu beweisen.

Eine gewagte These von mir, der vermutlich viele widersprechen werden: Gefühle erstrecken sich über Zeiträume, sind nicht punktgenau festmachbar (dazu an anderer Stelle in einem eigenen Beitrag mehr – wird später geschrieben):

Gefühle entziehen sich durch das zeiträumliche Gefühls-Erleben einer wissenschaftlich-körper-gebundenen 3-dimensional Jetzt-Zeitpunkt (und nicht kontinuierlich zeit-räumlichen) untersuchenden und orientierten Wissenschaftlichkeit. Es besteht ein Unterschied zwischen der körperlichen Welt, in der alle wissenschaftlichen Messungen und Zählungen stattfinden, und der geistigen Welt, die in Erinnerung, Zukunftsvorstellungen und reiner Fantasie sich über Zeiträume erstreckt – Zeit nicht nur punktuell, sondern als durchgehend wahrnehmend. Messungen können nur jetzt-punktuell sein und fügen einfach eine Messung an die nächste an – das ist aber nicht durchgehend. Gefühle erleben wir anhand von zusammenhängenden Zeiträumen, nicht an Messpunkten. Auch deswegen entziehen sich Gefühle einer exakten Messbarkeit.

Möglicherweise besteht bei Gefühlen auch eine (meist) unbewusste Verbindung zum überzeitlichen Spirituellen.

Religionen haben jedenfalls auf vielen Ebenen Gefühle zum Thema (Mitgefühl, Nächstenliebe, Liebe überhaupt oder umgekehrt Hass, Neid, Wut, Gier und andere Leidenschaften) und religiöses Erleben geschieht nicht durch Logik sondern durch Vertrauen und sich-Öffnen. Sollte es zutreffen, dass Gefühle mit der spirituellen Welt in Verbindung stehen (auch die „fehlgeleiteten“ düsteren Gefühle, so wie umgekehrt die tragenden, beglückenden), so würde dies bedeuten, dass Gefühle nur im Zusammenhang mit einer bewussten oder unbewussten Tiefe mitgeteilt werden können.

Dennoch: reden, erkennen und informieren wir über Gefühle:

Trotz der Schwierigkeiten, über Gefühle genau zu reden, sprechen wir ganz viel darüber, untersuchen sie auch wissenschaftlich und behandeln sie in Psychotherapie-Sitzungen. Dies ist einmal und vor allem möglich durch die Empathie-Fähigkeit des Menschen: ein Mensch kann Gefühle eines anderen Menschen mitempfinden, entweder indem er seine Lebenssituation kennt (und mit eigenen Erfahrungen vergleichen kann) oder indem die Mimik und Gestik sich mitteilen (Weinen, Lachen, Stirnrunzeln…) oder indem der andere mir mit Worten seine Gefühlslage schildert. Dabei können auch poetische Bilder helfen, die nicht exakt übertragbar sind, aber einem Menschen, der ähnlich empfindet, etwas von den Gefühlen vermitteln können (z.B. das Bild von einer sonnenbeschienenen bunten Wiese, oder von einem tiefen schwarzen See, einem frei fliegenden Vogel, einem stürmischen Meer, usw.). Diese Poesie vermag oft mehr auszusagen als direkte ein Gefühl benennende Worte. So werden Gefühle auch oft mit musikalischen Mitteln verbunden mit poetischen Bildern ausgedrückt. Gefühle einfach mit ein paar Worten auszudrücken (ohne den auslösenden Hintergrund näher zu beschreiben, in Schilderungen von echten Erfahrungen oder in Romangeschichten) ist sehr grob und weckt nur schwer ein wirkliches Verstehen beim anderen.

Doch wissenschaftlich gibt es noch andere Wege, Gefühle zu erforschen und verstehen zu wollen, aber sie haben ihre Begrenztheiten:

Die Hirnforschung versucht herauszufinden, wie im Gehirn und im Nervensystem Gefühle entstehen. Dabei findet man Hirnareale, die bei bestimmten Gefühlen besonders aktiv sind, Botenstoffe, die im Zusammenhang mit bestimmten Gefühlen stehen, Substanzen und Nervenreizungen, die bestimmte Gefühle zu wecken scheinen und bei Tieren bestimmtes Verhalten auslösen können (z.B. Flucht oder Aggression). Die Wiederholbarkeit im Experiment lässt hier auf Zusammenhänge schließen. Doch auch wenn diese Zusammenhänge bestehen, sind elektrische Nervenreize, Reizleitungen, Reizverknüpfungen oder chemische Botenstoffe meiner Meinung nach nicht die Gefühle selber. Sie mögen eine Information oder Steuerung sein, aber (als analoges Beispiel): das Gaspedal und die Benzinleitung (stehen hier hier im Bild für Reize und Botenstoffe) im Auto sind nicht das Benzin (ausgelöstes Verhalten) selbst und schon gar nicht die Geschwindigkeit selbst (das Gefühl). Die Wechselwirkung von Gasgeben, Bremsen und äußeren Einflüssen können hier im Bild für die Verknüpfung von Reizen im Gehirn stehen. Aber auch diese Wechselwirkungen sind nicht die Geschwindigkeit selbst, sondern nehmen nur auf diese Einfluss.

Die Psychologie verbindet eigene menschliche Erfahrungen mit Beobachtungen und Ergebnissen aus Gesprächen zu Theorien über die Entstehung von Gefühlen und deren mögliche Veränderbarkeit. Auch hier verifiziert die Wiederholbarkeit die in einer Theorie gefassten Informationen über Gefühle. Wie weit Gefühle in ihrer Lebendigkeit und Tiefe wirklich von Mensch zu Mensch (Therapeut) verstanden werden, hängt aber meiner Ansicht nach noch an der Empathie und den Lebenserfahrungen des Therapeuten ab, und nur zum Teil an den erlernten und erprobten Theorien. Leider lassen sich Irrtümer oft erst nach längerer Zeit feststellen, manche scheinbar hilfreiche Therapie kann das Problem auch nur auf eine andere Ebene verschieben, so dass sich auf der einen Ebene eine Verbesserung zeigt, die aber nicht mit einer Verschlechterung auf einer anderen Gefühlsebene in Verbindung gebracht wird. Ich denke, gute Psychotherapie braucht einen Therapeuten, der auch ohne viel Worte und Theorien schon die Gefühle des anderen in einer großen Tiefe und Grundsätzlichkeit erspüren kann. Die genauere Abklärung braucht dann natürlich ausführliche Gespräche. Aber die Basis des Verstehens kommt vielleicht aus einem intuitiven Bereich.

Die Wiederholbarkeit von Gefühlen, die sich durch Hirnströme messen lassen, oder durch Worte beschrieben werden, ist die Grundlage dafür, dass es wissenschaftliche Information über Gefühle gibt. Durch das Internet kommt noch ein neuer Bereich hinzu: „Likes“ und „Sternchen-Bewertungen“. Doch diese Auskunft macht zwar in der Menge eine gewisse sichere Aussage, aber sie ist sehr undifferenziert, es ist meist nicht erkennbar, warum eine Person, oder die Mehrheit der Personen, eine Sache mag oder auch nicht. Daher wird oft noch um einen Kommentar gebeten, der genauer beschreibt, was gefällt oder missfällt. Hier können wieder bestimmte Begriffe gezählt werden, so dass ein gewisser Rückschluss möglich ist, welche Gefühle ausgelöst werden. Doch bleibt es bei einem groben „Ja-Nein“-Schema, das zwar dann durch ein paar zusätzliche Begriffe feinmaschiger wird, aber die Tiefe der persönlichen Gefühle wird dabei nicht erfasst. Doch lassen sich mit diesen Methoden inzwischen durch Rechner erstaunliche Vorhersagen von Verhalten, Krankheiten, sozialem Hintergrund, Alter usw. machen. Das sind aber nicht die gefühlten Gefühle selbst, sondern es sind Verbindungen von einem Verhalten (Likes setzen, 5 Sternchen-Bewertung, bestimmte beschreibende Begriffe, usw.) mit einem anderen Verhalten (z.B. der Begriff „lustig“ wird wohl sehr häufig mit der Geste „Lachen“ verbunden sein). Doch diese Korrelationen – so aufschlussreich sie auch sein mögen – vermitteln nur äußerliche Informationen über Gefühle, sie können die Tiefe der Gefühle und was sie dem Fühlenden bedeuten nicht umfassend beschreiben.

Gefühle sind geheimnisvoll, sie wiederholen sich bei mir selbst und sind irgendwo tief im Inneren uns allen bekannt. Doch sie sind kaum exakt mit Worten zu beschreiben und sie sind nicht alleine durch Worte verstehbar. Nur durch die Wiederholbarkeit ähnlichen Erlebens und Empfindens können wir die Gefühle anderer verstehen und mitempfinden. Doch hier spielt die in Gesten, Mimik, Worten, Symbolen oder Bits verschlüsselte Botschaft nicht die alleinige Rolle, sondern es kommt zu aller erst auf die Fähigkeit des Erlebens auf einer anderen, nicht genau benennbaren Ebene an. Unser Fühlen lässt und lebendig erleben – aber wir können unser Fühlen in der Tiefe nicht „mathematisieren“, wir können es nur selbst dem Erleben öffnen. Es gibt exaktere und wiederholbar beweisbare Informationen zu Auslösern und zu Auswirkungen von Gefühlen. Aber es gibt keine wirklich exakte Information über Gefühle als solche, über Gefühle in ihrer einmaligen und doch gefühlt auch beim anderen verstehbaren Wirklichkeit. Gefühle machen uns lebendig, bleiben aber dem Verstand immer ein wenig ein Geheimnis – wir können sie nicht wirklich denken, wir müssen sie fühlen, um sie zu erleben und zu verstehen.

14. September 2025